
5. Reisetag
Dienstag, 24. Juli 2012
Rjukan und Umgebung
Rjukan ist vor allem wegen des grossen Wasserkraftwerks Vermok und der Chemiefabrik Norsk Hydro, die im 2. Weltkrieg im Zusammenhang mit der Produktion von schwerem Wasser eine wichtige Rolle spielte, bekannt. Mich haben aber andere Gründe hierhin geführt.
Am Rande des Dorfs befindet sich die Krossobanen, eine Luftseilbahn aus dem Jahr 1928, die kaum Veränderungen erfahren hat. Die Luftseilbahn überwindet etwa 600 Höhenmeter und endet bei der Anhöhe Gvepseborg. Von dort aus kann man zu Fuss eine wunderschöne Wanderung auf der Hardangerhochebene (Hardangervidda) machen, die ich aber vor 10 Jahren schon erlebt habe. Daher widmete ich mich der Seilbahn, fuhr zur Bergstation und lief den Wanderweg zur Talstation hinab. Das Wetter zeigte sich recht freundlich und warm.
Die Krossobanen von 1928 ist nur wenig modernisiert worden, daher hat sie ihr historisches Flair behalten. Die beiden Kabinen - die eine blau, die andere rot - können maximal 25 Personen aufnehmen. Da viele Velofahrer zu transportieren sind, sind die Kabinen immer sehr schnell gefüllt, so dass alle paar Minuten gefahren wird.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Rjukan liegt in einem Tal, das von Westen nach Osten ausgerichtet ist und in den Wintermonaten kein direktes Sonnenlicht hat. Dank dem Wasserkraftwerk Vermok und der Norsk Hydro hat es viele Arbeitsplätze. Von der Endstation der Luftseilbahn aus hat man einen schönen Ausblick auf das Dorf und den Gaustatoppen im Hintergrund.
Zurück in Rjukan suchte ich die Überreste der ehemaligen Rjukanbanen auf, die 1991 eingestellt wurde. Die normalspurige Eisenbahn benützte auf dem Weg von Notodden nach Rjukan eine Dampffähre über einen See. Im Bahnhof Rjukan steht die Elektrolokomotive Nr. 9 ausgestellt, die in der Schweiz bei den Ateliers de Sécheron gebaut wurde. Eine sehr ähnliche Lokomotive fährt heute noch im Val de Travers in der Schweiz.
Früher wurde die Bahn als Museumsbahn betrieben, doch die stark verrosteten Gleise deuten darauf hin, dass schon länger kein Zug mehr unterwegs war.
Dann fuhr ich auf die Anhöhe Gaustablikk, wo ich gestern auf der Hinreise schon vorbei kam. Die Höhendifferenz von 303m auf rund 1000m machte ich mit dem Auto, dann wanderte ich auf den 1800m hohen Gaustatoppen. Das ist der höchste Berg in Südnorwegen, den man sogar bei der Landung in Oslo noch erkennen kann. Die Wanderung war anstrengender als erwartet, aber es gab eine ganze Völkerwanderung. Während ich auf Schweizer Wanderwegen zahlreiche Wanderer überholen kann, war ich heute derjenige, der überholt wurde. Die Fitness der Norweger ist erstaunlich, da mögen sogar kleinste Kinder und Hunde mithalten.
Die Aussicht auf dem Gaustatoppen ist grossartig. Leider verschlechterte sich das Wetter ab Mittag zusehends, und bei der Wanderung bergab setzte dann leichter Regen ein.
Die Wanderung auf den Gaustatoppen stellte auch in geographischer Hinsicht ein Höhepunkt dar, denn höher geht's in Südnorwegen nicht mehr. Der einem Vulkan gleichende Berg - war aber nie ein Vulkan - ist das Ziel vieler Wanderer, wenn er einmal nicht im Nebel steckt. Es führt auch eine unterirdische Standseilbahn hinauf, aber diese wird fast schon wie ein Geheimtip gehandelt. Selbst bei einsetzendem Regen kamen mir auf der Wanderung bergab immer noch viele Wanderer entgegen - für die Norweger ist offenbar der erstiegene Berg wichtiger als die Aussicht.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Nach erfolgreich beendeter Wanderung war es einfach zu schön an diesem Bergsee, so dass ich die Datensicherung in meinem mobilen Büro machte. Die Heckklappe schützte mich vor dem Regen, der immer wieder leicht einsetzte.
Noch ein paar Zahlen zu den letzten Tagen, nämlich die zurückgelegten Kilometer:
Reisetag 1: 588 km (Zürich-Kassel)
Reisetag 2: 712 km (Kassel-Herning)
Reisetag 3: 396 km (Herning-Hirtshals)
Reisetag 4: 347 km (Kristiansand-Rjukan)Reisetag 5: 75 km (rund um Rjukan)
Die Reiseroute des 5. Reisetags:
![]() |








