7. Reisetag

Donnerstag, 26. Juli 2012

Bergen-Lærdal

Nachdem das Wetter gestern recht gut war, rechnete ich heute eher mit Regen, besonders in Bergen, wo an 300 Tagen im Jahr Regen fällt. Es war eine positive Überraschung, am Morgen festzustellen, dass das Wetter einen passablen Eindruck machte.

Nach dem Morgenessen fuhr ich zu einem Parkplatz nahe beim Stadtzentrum, mietete dort für 50 Kronen (CHF 8.50) zweieinhalb Stunden ein Parkfeld und ging zu Fuss auf Erkundigungstour. Mich interessierte vor allem der öffentliche Verkehr, der praktisch bei jedem Besuch in Bergen komplett umorganisiert daherkommt. Die gelben Busse der Firma „tide“ wurden – bis auf die wenigen Trolleybusse – durch eine brandneue Flotte ersetzt, die nun unter „Skyss“ (= Verkehr) fährt. Spannender ist natürlich der spurgebundene ÖV mit der neuen Stadtbahn „Bybane“, die mit Variobahnen von Stadler Pankow fährt. Immerhin habe ich im Bereich des elektrischen Antriebs auch einen kleinen Beitrag daran geleistet.

Das neue Tram fährt alle 10 Minuten, was mir ermöglichte, auf den ersten paar Kilometern ein paar Fotos zu machen. Einzelne gelangen sogar mit Sonne. Für den grosszügigen Betrag von NOK 27 (CHF 4.60) leistete ich mir dann ein Trambillett, um ins Stadtzentrum zurückzufahren und die Variobahn zu erfahren. Schöne Tramzüge, aber nicht vollumfänglich überzeugender Kurvenlauf.

Bergens öffentlicher Nahverkehr ist recht interessant, vor allem seit der neuen Stadtbahn. Nebst Bus, Trolleybus und Strassenbahn bilden eine Standseilbahn, eine Luftseilbahn, diverse Schiffslinien und die norweg. Staatsbahn das öffentliche Verkehrsnetz. Nachfolgend ein paar Bilder von Bus, Trolleybus und Tram:

Fünf Minuten nach Ablauf der Parkzeit war ich beim Auto zurück. Dann startete ich die Fahrt in Richtung Osten auf der E16, wobei ich zwischendurch auf die alte Strasse wechselte, um noch eine Museumsbahn bei Bergen zu besichtigen. Die E16 ist gut ausgebaut und führt durch zahlreiche kurze und lange Tunnels.

Bei der Ortschaft Dale verliess ich die E16, um über eine Nebenstrasse, die über das Gebirge führt, nach Voss zu gelangen. Wenige Meter nach Dale bereute ich diesen Entscheid, weil die Strasse sehr schmal war, entlang Felswänden führte und enge Tunnels aufwies. Nachdem die ersten paar Kreuzungen geglückt waren (es hatte sowieso kaum Verkehr auf dieser Strasse) und sich das Wenden dann nicht mehr lohnte, folgte ich dieser Strasse auf den nächsten 50 Kilometern. Die Landschaft mit den Bergseen, dem Gebirge (teilweise noch mit Schneefeldern) und vielen Bauernhöfen war aber grandios. An den schönen Stellen hielt ich spontan an und machte Fotos. Der Himmel war mittlerweile schon fast wolkenlos.

Die Fahrt von Dale über das Fjell nach Voss war zwar viel länger als die direkte Route über die E16, dafür spannender und landschaftlich reizvoller:

Es war dann schon 15 Uhr, als ich in Voss eintraf. In einem Einkaufszentrum kaufte ich schnell etwas zum Essen, dann fuhr ich weiter auf der E16 bis Gudvangen. Dort stiess ich an einen Seitenfjord des grossen Sognefjords, ein Grund für eine Pause mit Mittagessen (um 16 Uhr). Bis vor wenigen Jahren hätte in Gudvangen die Reise geendet und eine Fährenfahrt erfordert. Doch der norwegische Staat investierte Milliarden in zwei lange Tunnels zum Aurlandfjord nach Flåm und in einen 33 km (!) langen Tunnel von Flåm nach Lærdal für eine wintersichere Verbindung von Bergen nach Oslo. Ich begnügte mich mit den 11 und 4 km langen Tunnels bis Flåm.

Gudvangen liegt in einen engen Fjord und ist Unsteigestation der Tausenden Touristen, die "Norwegen in einer Nussschale" buchen. Das heisst, sie reisen mit dem Zug von Bergen via Myrdal nach Flåm, nehmen das Schiff durch die Fjorde bis Gudvangen und werden dort von Bussen abgeholt und nach Bergen zurückgebracht.

In Flåm endet eine etwa 20 km lange Stichlinie der Bergenbahn, die von Myrdal (ca. 900 m, Linie Oslo-Bergen) in vielen Kehren bis auf Meereshöhe führt. Während Flåm 1994 bei meiner ersten Reise noch kaum mehr als aus dem Bahnhof und einem Hotel bestand, wurde in den letzten Jahren kräftig aufgerüstet. Es steht mittlerweile eine halbe Touristenstadt da und ist im Sommer komplett überlaufen. Da hat natürlich auch die E16 ihren Beitrag geleistet.

Wie schon beschrieben, führt die E16 durch einen rekordverdächtigen 33 km langer Tunnel nach Lærdal. Die Durchfahrt durch diesen Tunnel wollte ich mir nicht antun, zumal die vorherigen Tunnels alle mit regelmässigen Radarkameras geschmückt waren und der 11 km lange Tunnel im mittleren Teil sogar unbeleuchtet war. Ich will ja Norwegens Landschaften sehen, und so war von vornherein klar, dass ich die Route über das Aurlandsfjell wählen werde. Diese ist 48 km lang, und an vielen Stellen ist auch kein Kreuzen möglich. Ein holländischer Reisecar kam mir noch unten in Aurland entgegen, der dürfte aber auf seiner Fahrt seine liebe Mühe gehabt haben. Die Strecke stieg von Meereshöhe mit zahlreichen Serpentinen auf etwa 1300 m und gewährte atemberaubende Ausblicke hinunter in den Aurlandsfjord. Oben auf dem Fjell erlebte ich das, wovon ich schon seit Jahren geträumt hatte, und es fällt mir schwer, dies zu beschreiben. Es ist eine karge, aber unendlich schöne Landschaft, soweit das Auge reicht hat es Berge, unzählige Bergseen mit schmelzendem Eis, Schneefelder, und dazu ein wunderschönes Abendlicht. Ich kam kaum voran, immer wieder musste ich anhalten und diese einmalige Stimmung festhalten. Zudem herrschte eine herrliche Stille, es war ja kaum mehr ein Fahrzeug unterwegs.

Die Sonne schien im flachen Winkel in den Lærdalsfjord, als ich die lange Talfahrt beendet hatte. Bevor ich mich entscheiden musste, ob ich noch heute die Fähre nach Kaupanger auf der anderen Seite des Sognefjords nehmen soll, entdeckte ich das grosse Lærdal Hotel. Die wenigen Autos liessen auf viele freie Zimmer schliessen, aber ich hatte die vier Reisebusse aus Litauen und Russland noch nicht entdeckt. Trotzdem war ein allerletztes Zimmer noch verfügbar, das ich natürlich sofort buchte, denn ich hatte keine Lust, noch weitere Hotels zu suchen.

Am Schluss noch die Reiseroute des 7. Tags: