4. Reisetag

Sonntag, 3. August 2014

Aberdeen - Inverness

Nach dem Dauerregen des Vortags war es eine ausserordentlich positive Überraschung, am nächsten Morgen - es war Sonntag - einen fast wolkenfreien Himmel zu sehen.

Aberdeen gilt wegen der einheitlichen Bauweise aus Granitstein als düstere Stadt, was ich natürlich dank des sonnigen Wetters nun nicht bestätigen möchte. Nach dem Continental Breakfast im Radisson Hotel machte ich mich bald einmal auf den Weg, zunächst aber zu Fuss auf eine Stadtbesichtigung.

Aberdeen lebt vor allem von der Ölförderung, so dass an den Wochenenden ein Überangebot an Hotelzimmern besteht. Dadurch können auch gehobnere Hotels wie das Radisson dann zahlbare Zimmer anbieten.

Nachfolgend ein paar Eindrücke von der Innenstadt von Aberdeen:

Aberdeen verfügt über eine lange Strandpromenade, wo sonntags und abends im Sommer viel los ist. Gebadet wird angesichts der nördlichen Lage allerdings auch im Sommer kaum, dennoch wird der Strand genutzt, wie die folgenden Bilder zeigen:

Nach der Stadtbesichtigung von Aberdeen startete ich auf eine Schlösser-Tour durch Ostschottland. In dieser Gegend sind die Schlösser dicht gesät, so dass ich mich auf eine Handvoll beschränkte. Nur das erste Schloss unterzog ich einer Besichtigung, die andern Schlösser - sofern es sich nicht um Ruinen handelt - sehen innen immer wieder ähnlich aus. Die Eintritte sind meist recht teuer, ausserdem gilt meist ein Fotografierverbot, da es sich um priavte Gebäude handelt.

Unweit von Aberdeen besuchte ich das erste Schloss des Tages, Nummer sechs auf dieser Reise nach Edinburgh Castle, Hopetoun House, Blackness Castle, St. Andrews Castle und Dunnotar Castle. Am Tag meines Besuchs war gerade eine Ausstellung von Oldtimerautos der Marke MG vor dem Schloss.

Nur wenige Kilometer respektive Meilen weiter westlich fand ich bereits Schloss Nr. 7 meiner Reise:

Etwas versteckt im Wald, aber im zweiten Anlauf dann doch gefunden, befand sich das zweite Schloss der heutigen Tagesreise.

Ein grosser Acker vor dem Schlossgrundstück, der zu einem grossen Parkplatz umfuntioniert wurde, erwartete mich bei der Ankunft. Gleich beim Eingang zum Schlosspark stand eine provisorische Ticketstation in einem Zelt, wo mir erklärt wurde, es fänden gerade mittelalterliche Kriegsspiele statt. Da ich weder das Schloss von Innen noch diese Kriegsspiele anschauen wollte, boten mir die beiden Herren am Ticketzelt einen vergünstigten Eintritt an.

Effektiv fanden neben dem Schlossgelände inszenierte Schlachten zwischen den (bösen) Engländern und den (guten) Schotten statt. Die Befreiungsbewegungen der Schotten von der Macht der Engländer ist ein Dauerthema in Schottland, das einen hohen Stellenwert geniesst. Die Schlachtspiele wurden von einem Sprecher in allen Details kommentiert, plötzlich knallte es dann wieder einmal, wenn die Schotten oder die Engländer einen Kanonenschuss abgaben.

Etwa 20 km nordöstlich erwartete mich zwischen den Ortschaften Oldmeldrum und Ellon das nächste Schloss, das im Gegensatz zu den andern heute besuchten Schlössern nur noch aus einer Ruine besteht. Es trägt den Namen Tulquhon Castle:

Die weitere Fahrt führte nordostwärts durch sehr ländliche Gegenden in die äusserste Ecke dieses Teils von Schottland zur Stadt Fraserburgh. Die Landschaft war geprägt von goldenen Kornfelder, die ein paar Wochen später als bei uns in der Schweiz geerntet werden.

Jetzt schauen wir uns aber kurz an, wie das so ist, wenn man auf der linken Strassenseite fahren muss. Beim Durchfahren des zweiten Kreisels hat sich die Kamera verschoben, so dass die Aufnahme gestoppt wurde.

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In Fraserburgh steht das nationale schottische Leuchtturmmuseum, das bei meiner späten Ankunftszeit längst schon wieder geschlossen war. Auf einer Wiese sind ehemalige schwimmende Leucht-Boyen ausgestellt, der örtliche Leuchtturm ist museal restauriert worden und in einer modernen Halle wird über die Geheimnisse von Leuchttürmen informiert.

Mit Fraserburgh war der östlichste Punkt erreicht, nun ging die Fahrt westwärt, teilweise der Küste entlang, in Richtung Elgin - Nairn - Inverness. Als sich dann der Hunger bemerkbar machte und ich bei der Ortschaft Cullen an die Küste stiess, legte ich einen Halt ein. Für einmal - und nicht zum letzten Mal - stand das britische Nationalgericht auf dem Speiseplan, nämlich Fish and Chips. Da wird ein grosses Fischstück fritiert, dann werden riesig grosse Pommes Chips dazu serviert, und am Schluss kommt eine gehörige Portion Mayonnaise auf den Fisch und Essig über die Kartoffeln.

Die Abendsonne verwandelte den so richtig schottisch anmutenden Küstenort in ein wahres Bijou. Von einer ehemaligen Bahnbrücke aus konnte ich schöne Abendaufnahmen machen:

Mehr oder weniger nonstop ging die Fahrt von Cullen bis Inverness weiter, gut 80 km auf Landstrassen. Da ich vor zehn Jahren schon einmal in Inverness war, fand ich das Hotel am River Ness recht schnell. Mittlerweise war es schon fast dunkel geworden, was natürlich für mich kein Hindernis war, nach dem Zimmerbezug noch einmal mit Fotoapparat und Stativ auszurücken und entlang dem River Ness noch weitere Fotos zu machen.

Inverness Castle war das 10. Schloss dieser Reise.

Die heutige Route sah folgendermassen aus:

Die kleine Geschichte zum Abschluss

Mitten in Schottland wurden unerwartet Kindheitserinnerungen geweckt. Im Garten des Schlosses Crathes spielten zwei Frauen das Spiel, das wir in Günsberg im Sommer auch sehr häufig machten. Wir nannten es Krokett, die Schotten haben vielleicht einen anderen Namen dafür, und mit grosser Begeisterung stellte ich jeweils den Parcours im Rasen auf, mit allen Törchen und Schikanen bis zum Endpflock. Schauen wir doch kurz den beiden Frauen zu, die sich sehr auf das Spiel konzentrierten: