
13. Reisetag
Freitag, 13. März 2015: Westport - Franz Josef
Erstaunlich sonnig zeigte sich der Morgen. Gegen das Landesinnere war der Himmel fast wolkenfrei, meerseitig jedoch war wesentlich mehr Gewölk vorhanden. Nun hoffte ich, dass die richtige Seite gewinnen würde.
Motels sind zwar praktisch, aber da man das halbe Frühstück selber zubereiten muss, hat man dann entsprechend mehr aufzuräumen und zu reinigen. Daher schaffte ich es nicht, bis 9 Uhr abzureisen, sondern benötigte eine knappe halbe Stunde mehr. Mein erstes Ziel war eine Seehunde-Population bei der Tauranga Bay, etwa 15 km ausserhalb der Ortschaft Westport. Der Tipp für diesen Abstecher an die Küste der Tasmanischen See kam von der Betreiberin des Motels. Diese redete zwar wie ein Maschinengewehr, und das erst noch mit einem sehr ausgeprägten Akzent, so dass ich kaum was verstand. Gnädigerweise drückte sie mir gestern bei der Ankunft einen Lokalplan in die Hand und machte bei der Seehunde-Bucht ein grosses Kreuz, was mir half, sie zu verstehen.
An der Tauranga Bay fand ich einen Parkplatz und schon einige andere Touristen vor. Allein schon die wilde Küste wäre eine Fahrt dorthin wert gewesen!
Ein Holzsteg führte vom Parkplatz zu mehreren Aussichtsplattformen, ansonsten wäre der Zugang wegen der Vegetation unmöglich gewesen. Es muss sich um einen sicheren Wert handeln, dass die Seehunde stets dort zu leben gedenken, ansonsten würde die Investition in den langen Holzsteg irgend einmal keinen Sinn mehr machen. Bevor ich bei der Plattform eintraf, von welcher aus man die Seehunde sehen kann, watschelte ein Vogel vor mir über den Steg, der gemäss einer Hinweistafel kein Kiwi war, sondern ein Weka.
Es war gar nicht so einfach, die Seehunde überhaupt zu sehen, da diese etwa die gleiche Farbe wie die Felsen haben. Dank guten Augen und dank der Hilfe des starken Teleobjektivs konnte ich schliesslich eine stattliche Anzahl Seehunde ausmachen. Die grösseren lagen ruhig auf den Felsen, während die jungen im Wasser herumplanschten. Mit etwas Geduld gelangen sogar ein paar Fotos, wofür aber ein kräftiges Teleobjektiv unbedingt nötig war. Ich frage mich ja schon, was die alle für Bilder machen, die mit einem iPhone und dergleichen fotografieren...
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Das nächste "Must-have-seen" lag gerade in der anderen Richtung, also musste ich zunächst nach Westport zurückfahren und dann weitere 15km der Strasse nordwärts folgen. Im Dorf Waimangaroa folgte eine Abzweigung und danach eine kurvenreiche, steile Bergstrasse. Auf gut 600m Höhe in Denniston wurde bis 1968 eine Kohlegrube betrieben, die man heute noch besichtigen kann. Von den Gebäuden ist leider nicht mehr viel vorhanden, aber es war eine interessante Anlage.
Die Kohle wurde in Güterwagen auf einer Art Standseilbahn ins Tal hinunterbefördert. Aufgrund der Länge der Bahn gab es mehrere Ausweichen. Von der Standseilbahn ist kaum mehr etwas sichtbar, aber zwei Güterwagen stehen noch oben auf dem Berg plus ein wenig Gleisanlage.
Die Beförderung der Kohle zum Bahnverlad erfolgte auf einem Förderband, das gänzlich weg ist, und mit einer Seilbahn, von welcher noch ein Mast und eine Seilabspannvorrichtung vorhanden sind.
Von Denniston aus hat man eine schöne Aussicht auf die Westküste, natürlich abhängig vom Wetter.
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Nachdem ich Denniston verlassen hatte und der Westküste entlang südwärts gefahren war, lockerte sich die Bewölkung zunehmend auf. Leider führte der Highway 6 zwischen Westport und Greymouth nur wenig direkt dem Meer entlang, eigentlich erst beim Paparoa National Park. Bizarre Felsformationen und das tosende Meer waren gute Gründe, die Fahrt für ein paar Minuten zu unterbrechen.
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Wenige Fahrminuten weiter wartete die nächste Attraktion, die beim Besuch der Südinsel dazu gehört: die Pancake Rocks (Pfannkuchenfelsen). Diese ganz speizellen Felsen sind zwar an anderen Orten auf der Insel auch anzutreffen, aber in einer so konzentrierten und überwältigenden Art eigentlich nur an dieser Stelle. Da sie an aufgeschichtete Pfannkuchen erinnern, erhielten sie diesen Namen. Für die Besucher wurden wunderbare Laufstege und Wege gebaut, so dass man sich einfach bewegen kann. Es hat einige Hohlräume in den Felsen, in die das Wasser der Wellen hineingedrückt wird, was von kräftigen Geräuschen und Wasserspritzer begleitet wird.
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Die nächste Station war die Stadt Greymouth, wo nach einer Regenfront die Sonne schien. Ich nutzte das sonnige Wetter für einen kurzen Rundgang und für die Anschaffung eines Schutzmittels gegen die Sandfliegen ("Sandfly"), die mich schon mehrfach gestochen hatten.
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Greymouth war die letzte Stadt auf eine sehr lange Distanz. Es gibt zwar noch kleinere Supermärkte und Tankstellen unterwegs, aber ansonsten ist das Angebot sehr bescheiden, da das Gebiet sehr dünn besiedelt ist.
Nach Greymouth folgte ein kurzer Wolkenbruch, extrem feuchte Luft, die vom Meer her aufs Land geblasen wurde und sich dort fast explosionsartig entleerte. Dies hinderte die Neuseeländer nicht daran, das Licht am Auto ausgeschaltet zu lassen, frei nach dem Motto, mit Licht sähe man ja auch nicht mehr. Ich erlebte wirklich häufig, dass es schon fast dunkel war, und schwarze und dunkelgraue Autos ohne Licht herumfuhren.
Eine besondere Situation gab es südlich von Greymouth. Eine nur mit Güterzügen bediente Bahnlinie führt dort parallel zur Autostrasse. Ein längerer Flussübergang teilen sich aber die Bahn und die Strasse, und das ohne Blinklicht. Ich fragte mich, wie das funktionieren kann und machte ein Bild davon, zumal die Brücke ja wie gewohnt nur einspurig war.
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Praktisch ohne Verkehr, aber noch relativ weit war die Fahrt bis zur Ortschaft Franz Josef. Das Wetter wurde düster und regnerisch, und ich legte nur noch Halte zur Erholung, nicht aber für Fotos ein.
Dies war die heutige Route:
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