
20. Reisetag
Freitag, 20. März 2015: Te Anau - Dunedin
Der ursprüngliche Plan sah vor, die Fahrt von Te Anau nach Dunedin auf zwei Tage aufzuteilen und in Invercargill zu übernachten. Angesichts der "kurzen" Strecke von ca. 190 km ohne nennenswerte Zwischenstationen war Te Anau-Invercargill kein Tagesfüller, zumal auch die Destination Invercargill kaum etwas zu bieten hat. Daher lag es auf der Hand, gleich zwei Nächte in Dunedin zu verbringen, da Dunedin und die Ortago-Halbinsel einige Attraktionen haben. Ausserdem wird das Wetter auf Samstag schlecht, daher wollte ich die Südküste noch heute Freitag bei schönem Wetter abfahren. Es gab dann aber eine sehr lange Etappe von über 550 km.
Ich stand wieder um 06.30 auf, um dann möglichst früh abfahren zu können, schliesslich wurde ich in Dunedin in der nächsten Unterkunft zwischen 18 und 20 Uhr erwartet.
Es war 08:15 Uhr, als ich den Motor startete. Es lag Nebel über Te Anau, wie bei uns im Herbst, die Abkühlung war daher geringer als in der vorangegangenen Nacht. Daher blieb es mir erspart, vereiste Autoscheiben zu reinigen.
Die Fahrt führte von Te Anau nach Manapouri, dann alles südwärts bis zur Südküste. Die ersten 30 Kilometer waren von dichtem Bodennebel geprägt, dann fuhr ich aber in strahlend schönes Wetter. Es hatte kaum andere Autos unterwegs, so dass ich auf der ganzen Fahrt nie ein anderes Auto direkt vor oder hinter mir hatte. Die Landschaft war teilweise hügelig, teilweise recht flach, aber immer waren im Westen die Berge des Fiordlands sichtbar. Diese gebirgige Gegegend im Südwesten der Südinsel ist praktisch gar nicht erschlossen, bis auf eine einzige Naturstrasse gibt es nichts.
In der Ortschaft Clifden kann man eine historische Hängebrücke von 1899 bewundern, während der Verkehr seit ein paar Jahrzehnten über eine neue Brücke geführt wird.
Nach knapp 100 km Fahrt erreichte ich kurz nach der Ortschaft Tuatapere die Südküste von Neuseelands Südinsel. Der wunderschöne Viewing Point McCracken's Rest lud ein, kurz anzuhalten und die Aussicht zu geniessen.
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Die südlichste Stadt Neuseelands ist auch gleich die westlichste. Invercargill umfasst etwa 50'000 Einwohner und ist sehr grossflächig gebaut. Selbst in der Innenstadt sind die Häuser maximal zweistöckig. Es handelt sich absolut nicht um eine Destination, die man unbedingt bereisen sollte, aber es gibt schlimmere Orte. Die Leute sind gar nicht typische Neuseeländer, sie wirken weniger gepflegt als im Rest des Landes, und innerhalb weniger Minuten begegnete ich Gestalten, wie ich sie auf den ersten 19 Tagen dieser Reise in Neuseeland sonst nie gesehen hatte.
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Da ich in der Zeit gut drin war, gönnte ich mir einen Abstecher nach Bluff an die Südspitze der Südinsel. Bluff ist landesweit bekannt für die Tiefseeaustern, was zwar nicht zu meinem Menuplan gehört, ausserdem besteigt man hier die Fähre, wenn man die Reise zur Stewart-Insel antritt. Mich interessierten der südlichste Punkt (was er gar nicht ist) und der 270m hohe Aussichtsberg.
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Auf gleichem Weg gelangte ich nach Invercargill zurück, dann schlug ich die Richtung Osten ein, um der "Southern Scenic Route" weiter zu folgen. Nach weiteren 40 km zweigte ich in der Ortschaft Fortrose auf eine Küstenstrasse ab. Der erste Halt folgte beim Waipapa Point, der über eine drei Kilometer lange Naturstrasse zu erreichen war. Dort steht in wunderschöner Umgebung ein Leuchtturm. Es fiel mir dann auf, dass die paar anderen Touristen, die sich dorthin verirrt hatten, so sonderbar auf dem Strand standen. In der Distanz von etwa 10 Metern beobachteten sie alle ein paar Seelöwen und hielten regelmässig ihre iPhones und Tabletts in die Höhe, um ein paar Pixel zu belichten. Und schon stand ich auch da unten. Es war eindrücklich, diese grossen Tiere aus der Nähe zu bewundern. Diese fühlten sich durch die Menschen kaum gestört.
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Aus der Küstenstrasse wurde dann ein besserer Feldweg. Der nächste Halt war beim Slope Point, der effektiv südlichste Punkt der Südinsel, vorgesehen, aber angesichts der angekündigten 6 km Zufahrt zögerte ich zunächst, wirklich dorthin zu fahren. Dann überwand ich mich und bezwang die 6 km Naturstrasse. Ich hätte mir ja dann ein Leben lang Vorwürfe gemacht, wäre ich auf dieser Reise am südlichsten Punkt einfach vorbeigefahren.
Der südlichste Punkt liegt auf 46°40'40", was auf die Nordhalbkugel übertragen genau die Position von Interlaken ergibt. Das heisst übertragen auf Europa, dass meine Reise den nördlichsten Punkt in Interlaken gehabt hätte (und den südlichsten irgendwo in Nordafrika).
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6 km zurück auf Naturstrasse, dann weitere 20 km der Küste entlang, auch Naturstrasse, dann folgte Curio Bay. Leider waren die dort ansässigen Pinguine nicht zu sehen, und der versteinerte Wald ist ein Phänomen, das nur bei Ebbe sichtbar wäre. Dafür bietete die Curio Bay ein schönes Stück Landschaft.
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Die Zeit verging wie im Flug, so dass ich nun etwas zielstrebiger Dunedin ansteuern musste. Die Chatedral Caves, vom Meer ausgespülte Küstenhöhlen, waren wegen der Flut nicht zugänglich, ausserdem führte die Strasse ab Balclutha durchs Landesinnere. Es gab daher nur noch einen Viewing Point an der Küste, wo Kühe der Rasse "Simmental" friedlich weideten.
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Auf der Hauptstrasse kam ich dann wieder etwas effizienter vorwärts als auf den mit Kurven angereicherten Küstenstrassen, die zwar wenig der Küste selber entlang führten, dafür permanent auf und ab gingen.
In Dunedin parkierte ich beim Bahnhof, der als der schönste Bahnhof der Welt gilt. Schade ist, dass hier keine Personenzüge mehr fahren, da südlich von Christchurch nur noch Güterverkehr herrscht. Dieser ist aber sehr intensiv. Ab einem Seitenbahnhof verkehrt eine Museumsbahn, die Taieri Gorge Railway.
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Dunedin ist eine typische schottische Stadt, die als die schönste Grossstadt in Neuseeland gilt. Mir blieb leider nicht so viel Zeit für einen Stadtrundgang, da ich kurz etwas Essen und so rasch wie möglich in den Vorort St. Leonard zum reservierten Appartment fahren wollte. Auffällig war, dass noch recht viele Leute unterwegs waren und sich in Strassencafés aufhielten, während andere Städte nach Ladenschluss um 18 Uhr wie ausgestorben wirken.
Ich hatte über booking.com ein Appartment in der Braestone Lodge gebucht, die ich noch finden musste. Dank Navigationsgerät ging das recht schnell. Schwieriger war die Besitzerin Sue zu finden, so dass ich sie dann anrufen musste. Eine völlig aufgestellte Frau, die sich sehr rührend um mich sorgte und wohl alles unternehmen wird, dass ich gut aufgehoben bin.
Die Braestone Lodge umfasst in einem modernen Holzgebäude fünf Appartments, die vom dazugehörigen Haupthaus daneben verwaltet und betreut werden.
Die heutige Reiseroute war über 550 km lang, vermutlich die längste Tagesetappe dieser Reise!
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