21. Reisetag

Samstag, 21. März 2015: Dunedin und Otago-Halbinse

Das Frühstück sollte um ca. 8 Uhr zu meinem "Penguin Room" gebracht werden, was erforderlich machte, dass ich sicherheitshalber auf 07.30 den Wecker stellte, um dann parat für die Entgegennahme des Tabletts zu sein. Ich erwachte jedoch bereits um sieben Uhr und erwartete entsprechend dem Wetterbericht Regen. Als ich das erste Rollo öffnete, staunte ich nicht schlecht, eine wunderschöne Dämmerung vorzufinden. Da musste ich aber ein Foto machen, was ein paar kleidermässige Anpassungen erforderte, um schnell nach draussen zu gehen. Wenig später tauchte bereits die Sonne über den Hügeln der Otago Peninsula auf.

Darauf blieb mir genügend Zeit, mich auf das Morgenessen vorzubereiten, so dass ich angezogen und gewaschen um 8 Uhr das reichhaltige, eigentlich viel zu umfangreiche Frühstück entgegennehmen konnte.

Angesichts des noch guten Wetters liess ich nicht unnötig viel Zeit verstreichen, sondern bemühte mich, um 9 Uhr loszufahren. Nach einer Tankfüllung - sogar noch mit Bedienung! - und einer kleineren Irrfahrt durch Dunedin fand ich die Strasse auf die Halbinsel, die Otago Peninsula. In kurviger Fahrt auf einer recht schmalen Strasse folgte ich der Nordküste der Halbinsel. Immer wieder gab es einen schönen Ausblick auf das parallel verlaufende Festland und die Küste der Halbinsel selber. Ganz am Ende der Insel befindet sich ein Ziel für Vogelliebhaber, ein Reservat mit einer Albatross-Kolonie, die offensichtlich das Interesse der Touristen findet. Angesichts des jetzt noch recht guten Wetters wollte ich vorerst lieber die Insel besichtigen und mich am Nachmittag erst den Gelbaugenpinguinen zuwenden. Daher blieb es bei der Besichtigung der Klippen.

Zwei Strände auf der Südseite der Insel schienen mir interessant zu besichtigen zu sein. Ich musste zuerst ein Stück zurückfahren, um dann von der Ortschaft Portobello aus den Bergrücken zu überqueren. Auf der andern Seite des Bergrückens wurde aus der asphaltierten Strasse eine bescheidene Naturstrasse.

Der erste Strand war die Allans Beach. Ein wunderbarer Sandstrand, an dessen Enden Seelöwen und Gelbaugenpinguine zu finden sein sollten. Pinguin fand ich keinen, aber über einen Seelöwen wäre ich fast gestolpert, da dieser regungslos und farblich vom Felsen kaum unterscheidbar dalag. Ich konnte noch rechtzeitig umkehren, um das Tier nicht aufzuscheuchen.

Die Fahrt zum nächsten Strand führte über schmale und steile Naturstrassen, was ich nicht so toll fand. Zum Glück hat wenigstens mein Miet-Mazda anstandslos mitgemacht. Die letzten Kilometer zum Parkplatz des Sandfly Beach waren dann wieder asphaltiert, weil doch einige Leute dorthin fahren. Zum Glück hat der Name dieses Strands (Sandfly) nichts mit den gleichnamigen, fliegenden Plagegeistern zu tun. Der Strand wird durch eine Dünenlandschaft abgeschlossen, so dass beim vermutlich permanenten Wind fortlaufend Sandverlagerungen stattfinden. Tatsächlich war der Strand aus verschiedenen Gründen die etwas beschwerliche Anfahrt wert. Die Sanddünen, die zu durchqueren waren, stellten die erste Attraktion dar, vor allem dann beim Hochkraxeln zurück zum Parkplatz. Die sensationell schöne Landschaft generell war die zweite Attraktion, die dritte die Tierwelt. Am einen Ende des Strands entdeckte ich in einiger Distanz einen Pinguin, der zwischen Pflanzen halb versteckt Ausschau hielt. Selbst mit meinem 300mm-Tele und einer einschneidenden Ausschnittvergrösserung blieb der etwa einen halben Meter grosse Pinguin ein kleines Wesen auf dem Bild. Dies hielt diverse Handy-Fotografen nebendran nicht davon ab, auch ein Bild von diesem seltenen Tier zu machen. Unweit von mir lag regungslos ein Seelöwe, der für ein fotogeneres Foto durchaus mal hätte zulächeln dürfen.

Beim Spaziergang über den ganzen Strand entdeckte ich immer wieder Seelöwen, die im Sand lagen. Andere Strandgäste picknickten seelenruhig in unmittelbarer Nähe zu diesen Seelöwen, und offenbar solange man keinen rohen Fisch isst, wird man nicht gestört. Ich hielt mich in respektvoller Distanz zu den nicht gerade kleinen Tieren und beobachtete sie in aller Ruhe. Das war schon etwas Spezielles, das ich bisher noch nirgendswo so erleben konnte.

Die Otago Peninsula gilt als eine der schönsten Küstenregionen von Neuseeland. Die hüglige Landschaft ist durchzogen von herrlichen Sandstränden und prächtigen Buchten.

Nicht nur am Strand findet man Tiere, sondern natürlich auch auf den Wiesen. Die Schafe haben eindeutig die Mehrheit, doch auch Kühe und Pferde sind sehr häufig zu sehen. Zahlreiche Bauern schreiben an den Ställen an, sie hätten Rinder der Rasse "Simmental" - ja so klein ist doch die Welt! Die Schafe sind fast überall frisch geschoren, was bei dieser Menge eine unglaubliche Menge Arbeit bedeutete. Auf der Otago Peninsula gab es noch sehr viele ungeschorene Schafe, die für die nächste Bilderfolge hinhalten durften:

Das nächste Ziel erinnerte daran, dass Dunedin eine von ausgewanderten Schotten gegründete Stadt war, daher ist auch das landesweit einzige Schloss hier zu finden. Larnach Castle wurde 1871-1878 von einem Bankier auf einem der zahlreichen Hügel der Halbinsel erbaut und könnte durchaus irgendwo in Schottland stehen. Grosse Gartenanlagen, die mit viel Aufwand gepflegt werden, zieren das Schloss, das von aussen fast von jedem Dunedin-Besucher besichtigt wird. Wie in Schottland üblich, fährt man an einem Pförtner vorbei, wo der Eintritt bezahlt wird.

Von der Zufahrtsstrasse zum Schloss aus gibt es einen prächtigen Ausblick auf die Stadt Dunedin:

Ein wahres Highlight folgte nun noch! Fast am Ende der Halbinsel wurde ein Reservat errichtet, wo die Gelbaugenpinguine, die extrem stark vom Aussterben bedroht waren, einen Lebensraum finden. Damit die ganze Angelegenheit überhaupt finanzierbar war, wurden halb versteckte Gräben und Beobachtungsposten angelegt, so dass die Touristen herumgeführt werden können, während die scheuen Pinguine nichts mitbekommen. Das Projekt umfasst auch ein "Spital", so dass verletzt vorgefundene Pinguine geheilt und auf die Auswilderung vorbereitet werden können. Dank diesem Reservat konnten die Bestände wieder merklich vergrössert werden, parallel dazu geniessen die Touristen eine sensationelle Möglichkeit, die Gelbaugenpinguine aus der Nähe zu betrachten.

Die Gruppe um 16.15 Uhr bestand nur aus einer französischen Familie mit zwei sehr kleinen Kindern, aus einem holländischen Paar und aus mir. Der Führer informierte zuerst im Rahmen eines kleinen Vortrags, dann wurden wir mit einem alten Kleinbus über eine Schotterpiste zum Reservatsgelände gefahren. Der Rundgang startete mit einem Gang durch eine Seelöwenkolonie, anschliessend ging es weiter in den getarnten, vertieften Gehwegen. Es musste absolute Stille herrschen, sonst wären die wenigen Pinguine, die zu sichten waren, alle verschwunden. Das war gar nicht so einfach mit den kleinen Kindern und dem Holländer, der eine Kamera hatte, die fortlaufend piepste. Es waren dennoch Aufnahmen von Pinguinen in diversem Alter möglich, und eigentlich war es schon speziell, dass wir uns bis auf etwa einen Meter nähern konnten und wir doch nicht entdeckt wurden.

Die Tour endete nach anderthalb Stunden beim "Spital", ein Gehege, wo die Tiere von Menschen gefüttert werden. Meist sind die Pinguine von Hechten verletzt worden, dann aufgefunden und eingeliefert worden. Nach dem Heilungsprozess werden sie ins Reservat überführt, wo sie dann eines Tages von selber wieder "abreisen". In der letzten Nacht seien 5 Stück so in die Wildnis zurückgekehrt. Da sie alle numeriert werden, sind deren Stammbaum und alle weiteren Daten statistisch erfasst.

Das Tagesprogramm war damit zu Ende, das schöne Wetter auch. Auf der Rückfahrt nach Dunedin begann es zu regnen, die Wetterprognosen wollten das ja auch so haben.

Es gab heute eine kürzere Reiseroute: