35. Reisetag

Samstag, 4. April 2015: Manganui - Dargaville

Das Appartement in den Coopers Beachfront Suites war wirklich wunderschön, aber leider hörte man jeden Schritt der Nachbarn obendran, und wenn diese die Dusche anstellten, rauschte es bei mir extrem laut. Am Morgen früh wurde ich durch ein Insekt vor dem Fenster geweckt, das wie eine Trillerpfeife tönte und nie abstellen wollte. Ich musste aufstehen und das Fenster schliessen, sonst wäre ich noch wahnsinnig geworden.

Zum Sonnenaufgang ging ich an den Strand hinunter, wo ich später noch einmal hinging. Es war ein traumhafter Strand, den man schon noch ein bisschen hätte geniessen können.

Das Wetter war wieder schön, gewisse Teile des Himmels waren etwas überzogen, die Temperatur am Morgen etwa 16 Grad.

Als ich am Aufräumen war, kam die Dame des Hauses auf einen Schwatz vorbei. Es scheint mindestens die zweite Frau des Besitzers zu sein, da sie entweder Neuseeländerin oder US-Amerikanerin ist, also nicht eine ausgewanderte Winterthurerin.

Etwa um 10 Uhr war ich abreisebereit. Zunächst steuerte ich das Dorf Mangonui an, das ich gestern Abend nur bei Dunkelheit gesehen hatte. Die diversen Buchten der Gegend, also die Doubtless Bay, die Whangaroa Bay, die Takou Bay und die Bay of Islands, bilden zusammen ein grosses Feriengebiet, wo die Neuseeländer ihre Sommerferien verbringen. Einige der Häuser hier werden nur als Ferienhaus genutzt.

Die nächsten Ziele waren die Ortschaften Paihia und Russell in der Bay of Islands, die den Neuseeländern sehr zu gefallen scheinen. Die Bay of Islands ist für sie der Inbegriff von Badeferien dank den vielen Stränden und den schönen Buchten. Es ist eine herrliche Landschaft hier, aber Neuseeland hat noch Interessanteres zu bieten. Auf dem Weg nach Paihia nahm ich eine speziell touristisch hervorgehebene Strasse, die immer wieder Blicke auf die Strände und Buchten erlaubte.

Paihia, das touristische Zentrum der Bay of Islands, faszinierte mich nicht speziell. Daher verzichtete ich auf den Abstecher nach Russell, das zweite Zentrum in dieser Badegegend, zumal ich eine Fähre hätte benutzen müssen. Es war auch an der Zeit, von der Ostküste an die Westküste zu wechseln.

Von Paihia nach Kawakawa waren es nur wenige Kilometer. Diese Ortschaft war mir von gestern ein Begriff, schliesslich fuhr ja gerade der Dampfzug ab. Es fielen mir schon gestern einige Sachen in diesem Ort auf, die an den Künstler und Architekten Friedensreich Hundertwasser erinnern. Als ich heute beim Ortseingang den Hinweis auf die Hundertwasser-WC-Anlage sah, war der Fall klar, dass ich nun in derjenigen Ortschaft war, wo Hundertwasser einige Zeit lebte und eine öffentliche WC-Anlage erbaute. Nun wollen alle nach Kawakawa aufs Hundertwasser-WC, man soll über 10'000 Benutzer pro Monat zählen. So ein stilles Örtchen dürfte dies mittlerweile nicht mehr sein. Alles andere, das nach Hundertwasser aussieht, ist plumpe Nachahmerei, soll aber helfen, Kawakawa touristisch zu fördern.

Die Fahrt hinüber zur Westküste erfolgte wiederum auf praktisch leerer Strasse. Der Highway 12 verläuft im grossen Ganzen Ost-West, aber auch er besteht aus vielen Kurven und Steigungen, da Neuseeland hier gar nicht flach ist. Man stösst dann an den Hokianga Harbour, ein langer Meeresarm ins Landesinnere. Eine Sehenswürdigkeit dieses Meeresarms sind die Koutu Bolders, grosse Steinkugeln wie die Moeraki Boulders auf der Südinsel, nur zahlreicher, dafür nicht so schön angeordnet. Die Koutu Bolders gelten als Geheimtipp, sind nur über einen Feldweg zu erreichen und werden von den Touristen nicht so überrannt. Bei Flut würden die Kugeln im Meer "schwimmen", bei Ebbe liegen sie alle auf dem Sand. Wenn man also nicht mit dem eigenen Schiff anreist, kann man die Kugeln nur bei Ebbe zu Fuss erreichen, so wie es gerade bei meinem Besuch war. Ich verbrachte fast eine Stunde bei diesen Steinkugeln und machte diverse Fotos.

Direkt neben den Steinkugeln weideten drei Lamas. Weil sie gerade so fotogen standen, wurden auch sie verewigt.

Der Meeresarm Hokianga Harbour mündet bei den Ortschaften Omapere und Opononi ins Tasmanische Meer. Direkt gegenüber diesen beiden Ortschaften erhebt sich eine grosse Düne, die durch ihren Farbton schon von weitem auffällt. Bei Oampere kann man zu einem Aussichtspunkt fahren, wo der Blick auf den Meeresarm, die Düne, die Ortschaften Omapere und Opononi und auf das tasmanische Meer frei ist.

Bei der Weiterfahrt in Richtung Süden folgte bald der Waipoua Forest, ein grosses Waldschutzgebiet, wo noch einige ururalte Kauri-Bäume zu finden sind. Einzelne Bäume kann man besichtigen, dabei drängt sich der Tane Mahuta auf, der zwar "nur" mit einem Baumstammumfang von 13.8 m aufwartet, dafür aber in wenigen Schritten von der kurvenreichen Strasse aus zu erreichen ist. Der umfangreichste Kauri-Baum ist der Te Matua Ngahere mit 16.5 m Umfang.

Der fünfminütige Fussweg zum Tane Mahuta ist eine lohnenswerte Investition. Man traut seinen Augen nicht, wenn man vor dem Baum steht. Dieses Mal brauchte ich nun jemand, der sich vor dem Baum fotografieren liess, um die Grössenverhältnisse besser zum Ausdruck zu bringen. Normalerweise sind die sich gegenseitig knipsenden Touristen ein Übel, jetzt hätte ich sie für ein Bild ganz gut gebrauchen können. Als eine Mutter ihre zwei Kinder fotografierte, packte ich die Gelegenheit und knipste auch, aber ob wirklich aus dem Bild klar wird, dass der Baumstamm im Durchmesser 4.4 m misst, ist fraglich.

Kauri-Bäume und andere alte Bäume sind im Waipoua Forest zum Glück noch in grosser Stückzahl zu finden. Ein Kauri-Baum braucht Hunderte Jahre, bis er ausgewachsen ist. Tane Mahuta soll 1200 Jahre alt sein, wenn die Angabe in meinem Reiseführer korrekt ist. An der Strasse durch den Wald sieht man immer wieder solche Bäume. Einmal zwingen sie den Strassenverkehr in beiden Richtungen zum Einspurbetrieb, für die freie Fahrt hätte einer der beiden Baumriesen geopfert werden müssen, was absolut undenkbar wäre.

Nach dem langen Wald (ca. 25 km) war die offene Landschaft geradezu eine Erholung.

Bevor ich zum Motel in Dargaville fuhr, gönnte ich mir einen Abstecher zum Badestrand Baylys Beach. An der Westküste der Nordinsel erstreckt sich ein 100 km langer Sandstrand am Stück. Wer aber romantische Strandatmosphäre erwartet, wird enttäuscht. Der Strand ist topfeben, der Sand festgepresst, die Funktion ist eher Strasse als etwas anderes. Auch ich landete auf der Suche nach einem Parkplatz mitten auf dem Strand und konnte so doch noch einen Hauch von Ninety Mile Beach erleben. Ein Badeausflug sieht effektiv so aus, dass man sich mit dem Auto einen Platz aussucht, dann sich einrichtet und schliesslich baden geht. Auf dem Weg ins Wasser muss man aufpassen, dass man nicht überfahren wird, schliesslich donnern noch ein paar Verrückte mit Vierradmotorrädern über den Sand.

Ich genoss noch die letzten Sonnenstrahlen, die Sonne stand schon sehr tief.

Dann kam der Sonnenuntergang, ein herrlicher Moment, den ich versuchte festzuhalten.

Auf der andern Seite ging der Mond auf, der nun ein richtiger Vollmond geworden war. Ich konnte es nicht lassen und musste wieder etwas mit dem Fotoapparat experimentieren.

Schliesslich erreichte ich Dargaville und bezog meinen Raum in einem Motel.

Die heutige Karte zeigt den Weg von Mangonui nach Dargaville: