Abschliessende Gedanken

Die Reise nach Neuseeland ist bereits Teil meiner Vergangenheit, so schnell vergeht die Zeit. Nun ist schon der Moment gekommen, einen Rückblick und einige Gedanken zur Reise zu machen.

Das Vorhaben, Neuseeland einmal zu bereisen, war latent schon länger vorhanden, aber es konkretisierte sich erst zu Beginn des Jahres 2014. Beigetragen haben dürfte die verschärfte Ferienregelung meines Arbeitgebers, die vorschreibt, dass ältere Ferienguthaben abzubauen sind. Mir war schon immer klar, dass eine derart ferne Destination entsprechend lange Ferien erfordert, um die lange Hin- und Rückreise zu gerechtfertigen. Im ersten Quartal 2014 wäre ich für diese Reise noch nicht parat gewesen, ein Jahr später, also im März 2015, kam der geeignete Zeitpunkt.

Ich bin nicht einer, der Monate vor einer Reise mehrere Reiseführer liest und akribische Reisevorbereitungen trifft. Mein Interesse an einer Destination steigt normalerweise kurz vor der Abreise und erreicht den Höhepunkt, wenn ich dann an Ort und Stelle bin. Dies scheint sich zu bewähren, denn ich habe den Eindruck, aus den fünf Wochen Ferien in Neuseeland fast das Maximum herausgeholt zu haben.

Im Januar 2014 führte der Veranstalter Explora einen Thementag Australien/Neuseeland in Zürich mit mehreren Vorträgen durch. Ich besuchte damals zwei Vorträge über Neuseeland, die mich beide faszinierten und meinen Willen bekräftigten, Neuseeland im Rahmen einer grösseren Reise kennen zu lernen. Der zweite Vortrag wurde dieses Jahr im Januar wiederholt, und ich schaute ihn nochmals an. Zwei Reisejournalisten aus Innsbruck berichteten über „200 Tage am schönsten Ende der Welt“, und im Anschluss an den Vortrag verkauften sie eine A5-Broschüre mit einer sehr praktischen Zusammenfassung, was man sich in Neuseeland anschauen sollte. Diese Broschüre, die überdies fantastische Aufnahmen enthält, und ein Dumont-Reiseführer bildeten die Grundlage für meine Reisevorbereitungen.

Trotz anderslautendem Hinweis anderer Neuseeland-Reisender buchte ich den Flug erst um Weihnachten und den Mietwagen sogar erst etwa zwei Wochen vor Abflug. Es hat sich gezeigt, dass ich damit absolut nicht zu spät war und bei früherer Buchung kaum billiger weggekommen wäre.

Die Ferien waren wirklich hervorragend schön, ich habe sie in jeder Hinsicht genossen und eine superschöne Zeit verbracht. Sicherlich gehören diese fünf Wochen zu den besten meines Lebens, und ich bin froh, dass ich diese Reise tatsächlich gemacht habe. Ich werde noch Monate mit grosser Befriedigung darauf zurückblicken.

Durch meine früheren Reisen nach Norwegen und Schottland stand Neuseeland fortlaufend im Vergleich zu diesen beiden Ländern. Die Landschaft hat Züge von beiden Ländern, teilweise auch von der Schweiz, und doch ist Neuseeland grösstenteils ein subtropisches Land mit entsprechender Vegetation. Es war daher noch recht schwierig, das Land einzuordnen. Die Anreise ist derart lang, die Leute sprechen Englisch, ticken aber wie Kontinentaleuropäer, und die Landschaft ist eine nordeuropäische Mischung mit tropischem Touch.

Die Neuseeländer würde ich als die freundlichsten Menschen bezeichnen, die mir jemals im Leben begegnet sind. Sie sind absolut unkompliziert, sehr offen, fröhlich und hilfsbereit. Selbst in grösseren Orten grüsst man sich, auf dünn befahrenen Strassen gehört es auch dazu, dass man beim Kreuzen einen Gruss austauscht. Im Restaurant oder im Supermarkt gehört die Frage „how are you today?“ stets dazu, und die ist ernst gemeint, eine Antwort wird erwartet. Immer wieder wird man nach der Herkunft gefragt, und jedes Mal wird auf die Antwort „aus der Schweiz“ mit einem breiten Strahlen geantwortet. Beim Kauf eines Tickets, im Laden, an der Tankstelle, immer werden noch ein paar Worte zusätzlich gewechselt.

Eine neuseeländische Küche gibt es an und für sich nicht. Take Away ist sehr beliebt (geht von Fish and Chips bis zum allgegenwärtigen McDonald’s), ansonsten ist die Küche sehr international, d.h. Pizzeria, Kebab-Stand, chinesische Restaurants, indische Restaurants und thailändische Restaurants machen den grössten Teil aus. Lammfleisch wird kaum mehr als bei uns gegessen, obwohl Millionen von Schafen auf den Wiesen weiden. Sea food ist sehr beliebt, leider auch Austern, um die ich einen grossen Bogen mache.

Im Restaurant wird gleich zu Beginn eine Flasche mit gekühltem Wasser aus dem Wasserhahn auf den Tisch gestellt, und es wird nicht erwartet, dass man noch weitere Getränke bestellt. Es machte mir Eindruck, dass zu einem rechten Essen stets Wein getrunken wird, und es ist nicht unüblich, dass die Weinflasche von den Gästen mitgebracht wird. Das Restaurant stellt dann die Gläser ohne Diskussion zur Verfügung. Bezahlt wird nie am Tisch, sondern an der Kasse am Buffet und ohnehin im Normalfall mit Karte.

Es ist eine sehr junge Nation, die aus Auswanderern vieler europäischer Länder besteht und daher keine lange Vergangenheit hat. Es gibt also keine jahrhundertalte Traditionen und historische Gebäude. Die Ureinwohner, die Maori, dienen stellvertretend für alles Traditionelle, was nun leider kommerziell ausgeschöpft wird. Ich habe auf meiner Reise das Thema Maori schon mit etwas Absicht beiseite gelassen.

Das Land ist enorm sauber, man findet kaum irgendwo Abfall herumliegen, und versprayte Wände sind selbst in den grösseren Städten eine absolute Ausnahme. Man hat den Eindruck, die Neuseeländer seien eher etwas Konservativ. Das Land ist enorm gut organisiert.

Die Neuseeländer bezeichnen sich als „Europäer“, da ihre Vorfahren mehrheitlich aus Grossbritannien und Irland, jedoch auch Skandinavien, eingewandert sind. Sie verhalten sich aber ganz und gar nicht wie die Briten, sondern sind viel lockerer, unkomplizierter und aufgestellter. Einzig die Schuluniformen erinnern besonders an Grossbritannien.

Es wird gerne gehört in Neuseeland, wenn man sich als Tourist lobend über die Schönheit der Natur äussert. Zu Recht sind die Neuseeländer stolz auf ihre fantastischen Landschaften.

Neuseeland ist ein modernes Land trotz seiner peripheren Lage. Trotzdem sah ich immer wieder Touristen, die ganz auf „Aussteiger“ machten, d.h. mit Vorhangstoffhosen und langen Haaren, zum Teil recht verwahrlost, und mit einem uralten Camper, der mit Anarchie-Emblemen und anarchischen Sprüchen verziert war. Sehr häufig sprachen diese Leute Hochdeutsch, selten Englisch. Neuseeland ist absolut kein Aussteigerland, sondern mindestens auf dem Niveau jedes kontinentaleuropäischen Landes.

Das Autofahren ist viel entspannter als bei uns, und der Linksverkehr stellt absolut kein Problem dar. Leider haben die Neuseeländer zwar ein wenig den Hang, zu nahe aufzuschliessen, aber sie drängeln im Normalfall nicht. Selbst auf kilometerlangen Geraden, wo durchaus höhere Geschwindigkeiten problemlos drinliegen, werden 110 km/h selten überschritten. Innerorts gelten die 50 km/h als heilig. Strassen-Rowdies sind mir wirklich praktisch keine begegnet. Die Autos machen einen ordentlichen Eindruck, aber sie werden sehr lange gefahren, so dass man zahlreiche ältere Modelle sah.

In den Ortschaften hat es bei den Lichtsignalanlagen meist zwei Spuren, die nach der Kreuzung unmittelbar wieder auf eine Spur zusammenlaufen. Bei uns würde dies nur zum Überholen missbraucht, während in Neuseeland nach der Kreuzung immer schön brav im Reissverschlussverfahren eingefädelt wird.

Die Landschaft ist in weiten Teilen sehr hügelig, und die Strassen folgen all diesen Hügeln mit Tausenden Kurven. Eine Begradigung oder Streckung der Kurven erfolgt offenbar aus Prinzip nirgends. Wenn man also eine Ortschaft verlässt, steht die Geschwindigkeitstafel 100 km/h, obwohl die nachfolgende Strasse vielleicht maximal 20 km/h zulässt. Auf den Highways werden Kurven, die mit tieferer Geschwindigkeit zu befahren sind, mit 85 km/h, 75 km/h, 65 km/h, 55 km/h, 35 km/h oder 25 km/h signalisiert. Man trifft auch auf Verkehrszeichen, die eine kurvenreiche Strasse über die nächsten 30 km ankündigt, was dann auch wirklich der Fall ist. Asphaltierte Strassen sind durchwegs sehr gut ausgebaut, aber auf Nebenstrassen kann der Belag über 20 km weit fehlen, das kann dann anstrengend werden.

In den Kreiseln, die ja im Uhrzeigersinn befahren werden, blinkt man nach rechts, wenn man die dritte Ausfahrt nimmt. Die Blinkdisziplin ist ohnehin enorm hoch.

Ich finde den Entscheid, ein normales Auto zu mieten, auch nach der Reise absolut richtig. Mit einem Camper hätte ich kaum mehr Freiheiten gehabt, da „overnight parking“ praktisch nirgends toleriert wird, die Miete wesentlich teurer gewesen wäre und das grössere Fahrzeug wesentlich höhere Treibstoffkosten verursacht hätte. Das Land hat viele Übernachtungsmöglichkeiten, so dass ich nach der Hauptreisezeit ohnehin nirgends Probleme hatte, eine Hotel- oder Motelunterkunft zu finden. Häufig buchte ich gleich für zwei Nächte am gleichen Ort, so dass ich nicht täglich zusammenpacken musste.

In jedem Motel- und Hotelzimmer hatte es einen Kühlschrank. Mein Auto war also tagsüber ein halber Lebensmittelladen, nachts wurde gekühlt, was verderblich war. Da in praktisch jedem Motel gleich beim Einchecken eine Flasche Milch überreicht wurde, bereitete ich das Frühstück immer selber zu.

Waschgelegenheiten gab es lückenlos in jedem Hotel und Motel, in zwei Fällen sogar im Motel-Appartement selber.

Neuseeland ist wirklich ein geniales Reiseland, das man gesehen haben muss. Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit hat, Neuseeland zu bereisen, dies zu tun. Meine fünf Wochen bleiben unvergesslich.

Der Abschied von Neuseeland fiel mir nicht leicht, aber die innere Stimme sagte, dass nach über fünf Wochen eine Rückkehr an die Arbeit angebracht war. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ich wieder einmal nach Neuseeland reisen werde, denn die Neugier ist geweckt, auch noch die auf dieser Reise nicht berücksichtigten Gegenden zu besuchen.

Ich legte insgesamt 9568 km mit meinem Mietwagen zurück, als Gegenleistung bekam ich eine Reise, die das ganze Land umfasste, also vom Cape Reinga im Norden bis nach Bluff im Süden. Auf einer zukünftigen Reise würde ich wenige Orte auswählen und dafür länger dort bleiben, das heisst, Schwerpunkte bilden. Es sind beide Inseln sehr schön, aber die Südinsel würde nächstes Mal mehr Priorität erhalten.

Damit schliesse ich den Reisebericht über die Neuseeland-Reise 2015 hier ab und mache mir Gedanken, wo ich im Jahr 2016 hinreisen werde. Ideen gibt es schon…