
23. Reisetag
Samstag, 11. August 2012
Ørnes-Mosjøen
Jetzt bin ich schon zum dritten Mal in der Region Ørnes, und immer war das Wetter eher schlecht. Wie machen die wohl die sonnigen Bilder für die Prospekte, die hier überall aufliegen?
Heute hingen die Wolken tief, alles war grau, es windete, aber es fiel kaum Regen. Ich trödelte noch lange im Hotel herum und hoffte, die Wolken würden sich bald auflösen. Das hatten sie aber nicht vor.
Dass das Hotel so voll war, wie die Frau gestern an der Rezeption meinte, kann ich kaum glauben, es standen nämlich kaum Autos vor dem Hotel und im Frühstücksraum war ich allein. Schon gestern in Tysfjord musste ich fast allein frühstücken. Mir scheint, es hat wesentlich weniger Touristen als in früheren Jahren, vor allem fehlen die Italiener und die Spanier. Südlich von Trondheim waren auch die Dänen, die Letten und die Litauer sehr zahlreich, aber diese getrauen sich offenbar nicht zu weit in den Norden. Immer wieder trifft man Autos aus Russland, das ist eine neuere Erscheinung. Die Schweizer waren sowieso nie sehr zahlreich, und seit Trondheim haben diese richtiggehend Seltenheitswert. Viele bleiben halt unerkannt, weil sie sich mit einem Mietwagen fortbewegen, der norwegische oder allenfalls schwedische Nummernschilder hat.
Frühmorgens kommt die südwärtsfahrende Hurtigrute kurz in Ørnes vorbei. Bei meinem ersten Blick aus dem Fenster sah ich sie gerade wegfahren. Um 9 Uhr trifft die nordwärtsfahrende Hurtigrute ein, um nach einem viertelstündigen Halt nach Bodø weiterzufahren. Die Ankunft dieses Schiffs hielt ich naütrlich fest:
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Meine heutige Reise startete zunächst in nördlicher Richtung bis Grimstad (ca. 10 ab Ørnes), um die schroffen Felswände nochmals zu betrachten, die mir gestern Abend aufgefallen waren.
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Darauf folgte ich dem Riksvei 17 bis zum Svartisen-Gletscher. Vor sieben Jahren war ich schon einmal dort – bei leicht besserem Wetter als heute – und nun wollte ich dieses Erlebnis wiederholen. Die Anreise ist etwas kompliziert, da ein Schiff über den Fjord genommen werden muss, das stündlich verkehrt. Bis zum Gletscher folgt ein langer Fussmarsch. Während es vor 7 Jahren noch einfach war, bis zum Eis vorzustossen, müsste man heute relativ weit hinauf kraxeln. Mangels Zeit und weil ich in den letzten Wochen mehr als einen Gletscher aus der Nähe gesehen hatte, ersparte ich mir den ultimativen Kick. Andere Leute berichteten dann auf dem Schiff, man hätte sich sogar am Seil hochziehen müssen.
Der Svartisen (schwarzes Eis) ist ein grosser Gletscher, der mehrere Arme hat, die in die Täler hinunter ragen. Auf der Nordseite des Gletschers sind zwei solche Arme zu sehen. Der linke Gletscher wird Engenbre (Engen = die Wiese, bre = Gletscher) genannt und ist als Touristenattraktion zugänglich. Bis vor wenigen Jahren reichte er bis in den Gletschersee, der sich praktisch auf Meereshöhe befindet.
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Da ich 2005 schon einmal beim Svartisen war, können die Bilder zum Vergleich der Gletschermasse herangezogen werden.
So sieht der linke Gletscher heute aus:
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Und das sind die vergleichbaren Bilder von 2005:
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Der andere Gletscherarm sah 2005 respektive sieht 2012 folgendermassen aus:
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Nun machen wir noch etwas Norwegenkunde. Mit dem Bus kommt man wirklich fast überall hin in Norwegen, häufig aber nur 1-2 Mal am Tag, am Samstag fast nicht, und viele Busse fahren nur "an Schultagen". Es ist nicht immer einfach herauszufinden, ob nun Schultag ist oder nicht.
Die Busfahrpläne kann man praktisch alle auf dem Internet finden, ebenso die Fährenfahrpläne und weitere Fahrpläne. Dort wo ein Bus hält, hat es entweder eine kleine blaue Tafel oder gleich ein Wartehäuschen. Von den Warthäuschen gib es in Norwegen zwei Typen, nämlich den Typ "Holz" und den Typ "Beton". Diese Wartehäuschen sehen von Kristiansand bis zum Nordkapp stets gleich aus. Begegnet man auf einer Strasse entweder den blauen Tafeln oder einem Wartehäuschen, dann muss man damit rechnen, dass einem irgendwann mal ein Bus entgegenkommt. Eine schmale Strasse heisst nicht automatisch, dass der Bus auch schmal ist, denn meistens begegnet man dann einem ausgewachsenen grossen Bus. Das gibt dann die beliebten Kreuzungsmanöver.
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Die Weiterreise gestaltete sich wegen den Fähren viel zeitaufwendiger als erwartet. Um 16.15 Uhr nahm ich die Fähre Forøy-Ågskaret (ca. 10 Min.), dann folgten 23 km freie Fahrt, und in Jektvik musste ich eine ganze Stunde auf die Abfahrt der Fähre nach Kilboghamn warten. 65 Minuten plus 10 Minuten Verspätung dauerte dann diese Fährenfahrt, es war also 19.15 Uhr in Kilboghamn. Wäre das Wetter übrigens gut gewesen, wäre ich wohl angesichts der äusserst spannenden Landschaft fast ausgeflippt. Nun habe ich diese Fährenfahrt halt vom Aufenthaltsraum aus ohne Fotoapparat durch die Scheiben genossen. Aber auch diese Strecke muss ich bei gutem Wetter irgendeinmal in der Zukunft erleben. Ein Bild musste ich dann trotz der widrigen Witterung machen, nämlich das Metallding am Ufer, das den Polarkreis anzeigte. Nun bin ich also schon wieder auf der südlichen Seite des nördlichen Polarkreises, also fast wieder zu Hause…
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Das Hotelzimmer war in Mosjøen reserviert, da in Mo i Rana das offenbar einzige Hotel ausgebucht ist (vermutlich eine Reisegruppe). Da zwischen Kilboghamn und Mosjøen 185 km Strasse lagen, wurde meine Ankunft in Mosjøen entsprechend spät, nämlich erst um 22.10 Uhr. Auf der ganzen Strecke war ich fast allein, was ein zügiges Vorwärtskommen ermöglichte. Die Landschaft war, soweit es nicht regnete oder die Berge in Wolken verschwanden, durchwegs sensationell, vor allem die ersten 60 km dem Meer entlang.
Und nun noch zum Abschluss die heutige Reiseroute:
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