22. Reisetag

Freitag, 10 August 2012

Tysfjord-Ørnes

Die gestern formulierte Wetterregel galt auch für heute, aber im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Tagen verbesserte sich das Wetter im Verlauf des Tages aber nicht, sondern es wurde schlechter.

Da das Frühstück erst ab 8 Uhr serviert wurde und ich noch ein paar Sachen auf meinem PC erledigen musste, fuhr ich erst um 11 Uhr ab. Aber wie oben angetönt war der Himmel bedeckt, so dass ich es nicht eilig hatte.

Zuerst fuhr ich die wenigen Kilometer nach Bognes, der gestrige Fährankunftshafen, zurück, um die fazinierende Bergwelt nun noch bei Tageslicht anzuschauen. Auch so war es ein spezieller Anblick.

Im Juni 1994 auf meiner ersten Norwegenreise, bei der ich mich mit dem Norwegenvirus infiszierte, war ich spät am Abend mit dem Bus ab Fauska nach Narvik unterwegs. Da der Zug aus Trondheim mit viel Verspätung ankam, fuhr der Bus entsprechend später ab und erreichte nicht mehr die vorgesehene Fähre Bognes-Skarberget nicht mehr. Es war praktisch der längste Tag und daher sehr hell, und so erlebte ich die Wartezeit auf die nächste Fähre eben nicht im Dunkeln. Diese Busfahrt blieb mir besonders eindrücklich in Erinnerung und trug massgeblich zur Virusinfiszierung bei.

Die Hauptstrasse E6, die ganz Norwegen durchquert und die "Hauptschlagader" bildet, ist alles andere als eine Autobahn im Norden. Es geht ständig bergauf und bergab, gerade Stücke sind selten, und mancher Berg muss mit einem Tunnel unterquert werden. Dies sind ein paar Eindrücke von der Strecke Bognes-Fauske (ca. 165 km):

Die nächsten zwei Bilder sagen auf den ersten Blick wenig aus, haben aber einen grösseren Hintergrund. Die Bahnlinie von Trondheim nach Fauske (ca. 670 km) wurde erst im 2. Weltkrieg durch die deutsche Besatzungsmacht mit Kriegsgefangenen gebaut. Es wurde auch schon an der Fortsetzung nach Narvik angefangen, doch das Kriegsende kam und der Weiterbau stoppte. Norwegen eröffnete schliesslich erst 1962 die 50 km lange Strecke von Fauske nach Bodø und liebäugelte mit dem Bau der Bahnlinie Fauske-Narvik immer wieder, das letzte Mal erst vor ein paar Jahren. Der Bau wäre aber kaum zahlbar, und die Bahnlinie könnte nie kostendeckend betrieben werden. Selbst auf der Nordlandbahn von Trondheim nach Bodø verkehren täglich in jeder Richtung nur zwei Personenzüge und einzelne Güterzüge.

Die Bilder zeigen einen Tunnelausgang, dem eine Brücke über den Fjord folgte, etwa 40 km nördlich von Fauske. Die Brücke wurde irgendeinmal beseitigt, vermutlich im Zusammenhang mit dem Ausbau der E6. Es soll noch weitere angefangene Bauwerke und ganze Brücken dieser nie fertig gebauten Bahnlinie geben, aber bis auf diesen Tunnelausgang konnte ich nirgends etwas erkennen.

Je näher ich nach Fauske kam, umso dunkler wurde der Himmel. Wenige Kilometer nach Fauske auf der Fahrt in Richtung Bodø setzte dann der Regen ein. Es regnete immer nur sehr kurz, dafür immer wieder.

Kurz vor Bodø zweigte ich auf die Strasse 17, den Riksvei 17, ab. Die meisten fahren ab Fauske auf der E6 direkt weiter, aber die Küstenstrasse 17 ist um Faktoren schöner und praktisch ohne Verkehr. Ich bin schon zweimal von Bodø nach Brønnøysund diesem Weg gefolgt, meistens aber einen grösseren Teil per Schnellboot oder Hurtigrute aussenrum, da die ÖV-Verbindungen sehr mühsam sind. Südlich von Ørnes hat es eine Reihe von Fähren, und da sind die Bus- und Fährfahrpläne nicht aufeinander abgestimmt.

Bald erreichte ich den Saltstraumen, den grössten Gezeitenstrom der Welt. Riesige Wassermassen fliessen bei Ebbe und Flut durch ein Flussbett in und aus dem Saltfjord. Die Fliessgeschwindigkeit wird entsprechend hoch, und es bilden sich Wirbel im Wasser. Ich war etwa eine Stunde vor dem Maximum dort. Ist der Fjord bei Flut aufgefüllt, wird der Strom ruhig, dann geht’s wieder los in die andere Richtung.

Danach begann die Strasse 17 so richtig. Leider war das Wetter grau und düster, dass ich nur wenig dieser prächtigen Landschaft mitbekam. Eine Fahrt vom Saltstraumen nach Ørnes bei schönem Wetter gehört daher auch auf die Pendenzenliste.

In Ørnes suchte ich das Hotel auf, das ich auch schon berücksichtigt hatte. Zuerst fand ich es nicht, befürchtete dann, dass es beseitigt wurde, schliesslich fand ich es doch noch. Im August 2005 verbrachte ich 2 Nächte hier. Ein Einzelzimmer war gerade noch frei, aber sonst schien das Hotel gut gebucht zu sein. Es ist auch auf weiter Flur das einzige.

Wie immer zum Schluss die heutige Reiseroute: