10. Reisetag

Sonntag, 4. August 2013

Lakselv - Kirkenes

Ein bedeckter Himmel und unglaubliche 23° C erwarteten mich am heutigen Morgen. Da ich auf der Reise durch das karge Lappland kaum Landschafts-Superlative erwartete, brauchte ich eigentlich auch nicht strahlendes Sonnenscheinwetter. Dieses soll mir lieber dann wieder zur Verfügung stehen, wenn ich es wirklich brauche.

Die Hauptroute von Lakselv nach Kirkenes führt über die Ortschaften Karasjok und Utsjok auf der E6, aber es gibt auch einen kürzeren Weg über Nebenstrassen, und diesen wählte ich.

Lakselv besteht wirklich nur aus einem Kreisel, drei Supermärkten, zwei Tankstellen, einer Post, einem Hotel, ein paar Geschäften und aus einer Handvoll Häuser. Ein richtiger Dorfkern wie bei uns gibt es an allen diesen Orten nicht.

Anfänglich führte die Fahrt dem breiten Porsangerfjord entlang, dann folgte ein dauerndes Auf und Ab über Hochebenen und hinunter an Fjorde. Nach 210 Kilomtern Fahrt über teils passable, teils wunderbare und grösstenteils sehr holprige Strassen gelangte ich nach Tana Bru, also die Brücke von Tana. Dort fand ich in etwa all das wieder, woraus Lakselv bestand: Supermärkte, Garagen, Tankstellen etc.

Das landschaftliche Highlight auf dieser ersten Etappe war der Silfar Canyon etwa 50 km nach Lakselv.

Es ist unglaublich eindrücklich, die weite Landschaft zu erleben. Die gähnende Leere. Unendliche Hochebenen und Hügelzüge, und während vielen Kilometern Fahrt sieht man kein fest bewohntes Haus, höchstens Ferienhäuser. Auf der Strasse begegnet man im Durchschnitt alle anderthalb Minuten einem Auto, sonst ist man fast allein unterwegs.

Wenige Kilometer nach Tana Bru kommt die Verzweigung nach Vadsø/Vardø auf der Varangerhalbinsel oder Kirkenes in Richtung Russland. Ich hatte ein Hotelzimmer in der Nähe von Kirkenes vorbestellt, daher war meine Wahl gegeben.

Der Varangerfjord, dem man auf der E6 grösstenteils entlang fährt, hat an seinem äussersten Zipfel ganz hellblaues Wasser. Er wird dann bald breiter und bekommt Nebenäste, so dass die Hauptstrasse diesen folgen muss. Etwa 140 km ab Tana Bru entfernt liegt die Stadt Kirkenes, die die Endstation der Hurtigrute darstellt. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis Russland und Finnland.

Die Hurtigrute legt wohl an der hässlichsten Stelle der Stadt an, die eintreffenden Passagiere dürfte fast der Schlag treffen. Im Zentrum sieht es dann ein wenig besser aus, aber zu bieten hat die Stadt eigentlich nichts. Daher sieht man ein paar streunende Touristen, wohl von der Hurtigrute kommend und auf den Rückflug nach Oslo wartend, die krampfhaft eine Beschäftigung suchen. Auf der Strasse kommend wird man wenigstens mit einer grossen Schrift willkommen geheissen, und der in Norwegen allseits beliebte Wegweiser mit den Distanzen zu einigen Destinationen darf auch nicht fehlen.

In Kirkenes findet man auch ganz Unerwartetes. Es hat tatsächlich eine ca. 10 km lange Eisenbahnlinie, die dem Transport von Eisenerz dient. Diese Bahnlinie wurde erst im Jahr 2010 wieder in Betrieb genommen, nachdem der 1996 stillgelegte Eisenerzabbau auch wieder reaktiviert wurde.

Ferner findet man in Kirkenes eine grosse Niederlassung der Logistikgruppe Tschudi mit Schweizer Wurzeln. Vor etwa zwei Jahren strahlte das Schweizer Fernsehen eine Sendung über Schweizer in Norwegen aus, da wurde der CEO Felix Tschudi vorgestellt.

Nach dem "Stadtrundgang" fuhr ich die rund 15 km zum Hotel, das an der E105 Kirkenes-Murmansk etwa 300 m von der Grenze zu Russland entfernt liegt. Vor dem Hotel hat es einen kleinen See, dessen gegenüberliegendes Ufer liegt in Russland. Die Zollposten beider Länder sind grössere, eingezäunte Anlagen, so dass ein Grenzübertritt wohl ein paar Minuten beanspruchen wird. Dennoch habe ich für die Nacht alles aus dem Auto ausgeräumt, man weiss ja nie, wo das Auto morgen früh steht...

Auf den Abend lösten sich die Wolken auf, so dass selbst am späteren Abend noch die Sonne zu sehen war. Die ganz in rotes Licht eingetauchte Landschaft faszinierte mich derart, dass ich noch ein paar kitschige Abendaufnahmen versuchte

In Norwegen könnte man fastgar überleben, ohne jemals in einen Supermarkt zu gehen. Das Meer und die zahlreichen Seen bieten Fische in Hülle und Fülle, die Wälder sind voller Beeren und frischen Pilzen. Letztere schmecken frisch gepflückt besonders gut, wobei der rote mit den weissen Punkten, auf dem noch eingetrocknete Fliegen kleben, etwas mehr Geschmack hat:

Wie gewohnt noch die Reiseroute in der Gesamtansicht und eine Zoom-Ansicht von Kirkenes. Die vielen Abstecher kommen von der Suche nach einem offenen Restaurant, der Besichtigung der Bahnlinie, den Abendaufnahmen und vom Tanken.

Sollte die Reiseberichterstattung hier aufhören, war etwas mit den Pilzen nicht in Ordnung...