
25. Reisetag
25. Reisetag
Oslo - Zürich
Norwegen macht es mir ja schon nicht leicht, Abschied zu nehmen. Entgegen dem Wetterbericht, der noch gestern behauptete, heute würde es in Oslo regnen, herrschte ein strahlendes Sommerwetter, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Und einen so schönen Tag konnte ich ja nicht unbenutzt lassen, zumal die späte Abflugzeit ein stattliches Programm ermöglichte.
Keine einzige Wolke war am Himmel auszumachen, es war einfach unglaublich. So packte ich meine mehrfach sieben Sachen bereits so, dass ich für den Rückflug praktisch nichts mehr umpacken musste. Das hiess aber auch, die schweren Bergschuhe anziehen und alles aussortieren, was noch zu entsorgen war. Beim Hinflug wog mein Rollkoffer 18.5 kg, zwischenzeitlich hatte ich noch ein Glas Moltebeerkonfitüre gekauft und weiteres Essbares sollte im Verlauf des Tages noch dazukommen. Den Koffer konnte ich im Hotel einstellen.
Auf dem "Karl Johan" war bereits schon viel los. Da dürften wohl die sehr zahlreich vorhandenen Touristen einen grossen Anteil ausgemacht haben. Hier in Oslo hat es ganz andere Touristen als im Resten des Lands, nämlich sehr viele Araber, Inder, Amerikaner und Japaner. Die Deutschen wagen sich offensichtlich nicht mit ihren Wohnmobilen in die Grossstadt.
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In der Nähe des Schlosses wartete ich an einer günstigen Stelle ein paar Trams und Busse ab, um den aktuellen landgebundenen ÖV in Oslo etwas zu dokumentieren. Schon letztes Jahr fiel mir auf, dass der ganze Busbestand erneuert wurde und nun einen gepflegten Eindruck macht. Früher waren die Busse so was von schmudelig. Doch heute fahren sogar Erdgasbusse und Wasserstoff-Brennstoffzellenbusse.
Beim Tram gibt es einen enormen Nachholbedarf. Die letzte Anschaffung, 36 hässliche, schwere Kisten von Ansaldobreda Italien, war vor zehn Jahren schon ein Desaster ohnegleichen, jetzt sollen 2/3 der Flotte bereits schon stillgelegt sein. Da sind die älteren Hochflurfahrzeuge schon etwas zuverlässiger. Aber die meisten Trams sehen unglaublich ungepflegt aus. Vielleicht passiert auch hier etwas, wobei hier mehr Geld und Zeit als bei den Bussen benötigt wird.
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Angesichts des schönen Wetters ging ich zu Fuss auf die Museums-Halbinsel Bygdøy, um nach 19 Jahren wieder einmal das Freiluftmuseum zu besuchen. Als ich dort ankam, hatte ich das Gefühl, der letzte Besuch dort hätte eben erst gerade stattgefunden. Vermutlich so eine Erscheinung im fortgeschrittenen Alter, dass man sich an so lange zurückliegende Erlebnisse besser erinnern mag als an das, was vor einem Monat passiert ist.
Das Freilichtmuseum ist sehr umfangreich und auf jeden Fall wieder einmal einen Besuch wert. Obwohl ein Reisecar nach dem andern auf die Halbinsel fuhr, war das Museum nicht überlaufen. Die anderen Museen (Kontiki-Museum und Schifffahrtsmuseum) ziehen mehr Besucher an, obwohl ich mir das nicht erklären kann.
Die Sammlung im Volkemuseet auf der Halbinsel Bygdøy umfasst vornehmlich landwirtschafltiche Bauten aus Mittel- und Südnorwegen und ein älteres Städtchen. Das Prunktstück ist sicher die Stabkirche von Gol, doch die übrigen Bauten sind ebenso sehr interessant. Im Jahr 2003 kam das Haus Wessels Gate 15 aus Oslo dazu, ein dreistöckiges Stadthaus von 1865, das in der Stadt zerlegt und im Museum wieder aufgebaut wurde. In diesem Haus werden auf sehr originelle Art typische Wohnungen zwischen 1865 und 1999 gezeigt mit zeitgenössischem Mobiliar und passender Ausstattung. Mit viel Aufwand wurden Wohnungen im Stil der Fünfzigerjahre oder Siebzigerjahre rekonstruiert.
Auffällig war, dass viele der alten landwirtschaftlich genutzten Häuser auch bei uns im Ballenberg stehen könnten. Die Ähnlichkeiten mit Walliser Stadeln oder Bündner Alphütten sind frappant.
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Die Rückfahrt nach Oslo zur Aker Brygge beim Rathaus erfolgte mit einem Touristenboot. Zwischenzeitlich war die Fähre der Color Line angekommen, während im Hafen vor der Festung Akershus zwei Kreuzfahrtschiffe standen. Auf der Aker Brygge und beim Rathaus herrschte ein emsiges Treiben.
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Am äusseren Ende der Aker Brygge wurde die künstliche Insel Tjuvholmen ("Heimat der Diebe") erstellt, die das Astrup Fearnley-Museum (Museum für moderne Kunst), Luxuswohnungen und öffentliche Begegnungszonen umfasst. Dort hat man einmal mehr das Gefühl, dass Geld in Oslo keine Rolle spielt. Jedes Gebäude ist ein architektonisches Kunstwerk für sich selber.
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Endlich gab es einen urbanen Elch zu bewundern:
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Eigentlich wollte ich beim Hauptbahnhof Oslo S(entralstasjon) noch den Versuch wagen, von einem Stadler-FLIRT-Zug ein sonniges Bild zu machen. Mitte August steht aber die Sonner bereits nicht mehr hoch genug, so dass kurz nach Mittag alle Bahnhofsgleise von Schatten der Perrondächer abgedunkelt werden. Als ich erkannte, dass mein Vorhaben keinen Sinn machte, entschied ich mich, dies für die nächste Norwegen-Reise aufzusparen.
Die nächste Destination war mein Hotel, wo ich den schweren Rollkoffer abholte. Die restliche Zeit reichte noch aus, die als Sommerattraktion bei der Aker Brygge durchgeführte Show von Turmspringern anzuschauen. Als dann einer als brennende Fackel runtersprang und ein anderer auf dem filigranen Turm bis auf 25 m Höhe stieg, war dann bald die Grenze des Erträglichen erreicht.
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Erleichtert darüber, dass alles gut gegangen war und keine Ambulanz anrücken musste, schleppte ich meinen Rollkoffer zum Hauptbahnhof, wo ich einen Schnellzug nach Lillehammer zum Flughafen Gardermoen bestieg. Es war, wie ich erhofft hatte, ein Stadler FLIRT mit Antrieb aus Turgi. So konnte ich die wunderschöne Reise durch Norwegen mit einem vollständig in der Schweiz gebauten Produkt, das durch seine hervorragende Laufruhe auch bei 200 km/h glänzte, würdig abschliessen.
Ohne Stress, aber nicht viel zu früh, konnte ich das Check-in erledigen, letzte Einkäufe machen und etwa um halb acht abends den Airbus A319 der Swiss International Airlines besteigen. Als das nur halbvolle Flugzeug um 19.48 abhob, war es nun definitiv: die diesjährige Norwegenreise ist zu Ende. Das norwegische Festland entfernte sich unter dem Flugzeug und verschwand dann im Dunst. Ein wunderschöner Sonnenuntergang begleitete den Flug - und viele, sehr viele schöne Erinnerungen werden bleiben.
In den nächsten Tagen folgt noch ein Epilog zu dieser 25 Tage dauernden Reise. Doch zuerst wird mich der Alltag wieder fordern.
Ich habe den GPS-Tracker den ganzen Tag im Rucksack mitlaufen lassen. Er hat alle meine Bewegungen vom Hotel bis zum Flughafen aufgezeichnet, manchmal etwas verzerrt durch die Reflexionen inmitten der Häuser.
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In Zürich kam mein Koffer sehr schnell auf dem Rollband, was mir ermöglichte, die S2 um 22.20 direkt nach Wipkingen zu nehmen. Als dann alle Züge gut 5 Minuten Verspätung hatten wegen einer Stellwerkstörung, wusste ich, ich bin wieder daheim in Zürich und es ist alles so geblieben, wie ich es verlassen hatte.


































