
24. Reisetag
Trondheim - Oslo
Da ich das Hotel recht früh verlassen und das Morgenessen mit gestern Abend eingekaufter Ware bestreiten musste, ging ich etwas früher als notwendig, um die nun besser erreichbare Hurtigrute-Anlegestelle noch vor der Abfahrt des Zugs zu besuchen. Noch war das Wetter anständig, es blies aber ein starker, warmer Südwind, der fönartige Wolken herantransportierte.
Die südwärtsfahrende Hurtigrute trifft um 06.30 ein, die nordwärtsfahrende um 08.30, also nach Abfahrt meines Zugs. Speziell ist, dass die Schiffe ausserhalb des Hafens wenden und dann rückwärts in eine Bucht fahren müssen. Das später ankommende Schiff muss also rückwärts seitlich einparken, was sicher nicht so einfach ist.
Wie erwartet stand das Schiff Polarlys da. So konnte ich ein paar letzte Abschiedsbilder von der Hurtigrute machen, die ich bis zur nächsten Norwegenreise schwer vermissen werde.
Im Hafengelände konnte ich dann noch die neuen architektonischen Würfe beim Vorbeigehen ablichten. Das Gebiet war voller streunender Hurtigrute-Touristen, die bis zur Weiterfahrt um 10 Uhr eine sinnvolle Beschäftigung suchten.
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Der Zug nach Oslo stand im Bahnhof zum Einsteigen bereit. Er bestand aus 8 Wagen und dürfte bei der Abfahrt etwa zur Hälfte belegt gewesen sein. Da ich einen Gangplatz erhielt, war damit zu rechnen, dass unterwegs noch jemand zusteigen und den Fensterplatz belegen würde.
Glücklicherweise war es nicht so ein unsäglicher Neigezug, sondern ein lokbespannter Zug (mit schweizerischer Lok 2000!) mit den bei Bombardier in Ungarn modernisierten B5-Wagen. Diese Modernisierung dauerte über drei Jahre und war ein weiteres Desaster bei der norwegischen Staatsbahn. Ausser den FLIRT-Zügen und den Lok 2000 aus schweizerischer Produktion ging bei der NSB noch nie eine Rollmaterialbestellung halbwegs normal über die Bühne.
Den modernisierten Wagen ist zu hoch anzurechnen, dass sie über eine fantastische Laufruhe verfügen.
Eine Zugfahrt mit der NSB ist immer ein Erlebnis. So sah ich gestern den Nachtzug Bodø - Trondheim um 10.30 Uhr in der Station Majavatn, wo er etwa um 03.00 Uhr hätte durchfahren müssen. Gemäss NSB-Internetseite "Er toget i rute?" (ist der Zug pünktlich?) war ein technisches Problem am Zug schuld, und um 14 Uhr stand immer noch, dass der Zug in Majavatn stehe. Vermutlich war dann das Problem, dass das Zugpersonal die Arbeitszeit längst überschritten hatte und neues Personal aus Trondheim geholt werden musste.
Auf der heutigen Fahrt nach Oslo fiel mir in Otta auf, dass der Gegenzug nicht kam. Der Blick ins Internet meldete, dass die Bahnstrecke Lillehammer-Ringebu bis vor kurzem wegen Überschwemmungen noch geschlossen war. Der Gegenzug, der in Kvam mit meinem Zug kreuzte, hatte eine Stunde Verspätung deswegen. Unser Zug nach der Passage dieser Strecke auch 60 Minuten. Es scheint in dieser Gegend stark geregnet zu haben, auf jeden Fall standen mehrere Bagger neben dem Gleis. Zum Glück habe ich einen Reservetag in Oslo, sonst hätte die Gefahr bestanden, den Rückflug in die Schweiz zu verpassen.
Der Sitzplatz neben mir blieb bis Oslo frei, dafür war der Rest des Zuges ab Otta komplett voll. Hier noch ein Bild eines B5-Wagens aus meinem Zug in Oslo Sentralstasjon:
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In Oslo war das Wetter gemischt aus Sonne und Wolken bei mässigem Wind und etwa 20 Grad. Zunächst suchte ich das Hotel, das sich am Rand des Regierungsviertels befindet und nicht so leicht zu finden war. Ein paar Hausecken weiter ist die Stelle, wo Breivik vor zwei Jahren das Attentat beging. Ausser einer Gedenktafel, viel Strassensperren und einem eingepackten Haus sieht man nicht mehr viel davon.
Da ich Oslo eigentlich auf jeder Norwegenreise einmal besuche, kenne ich das Zentrum der Stadt mittlerweile auch schon. Dieses Jahr durfte ich mich darüber freuen, dass die Karl Johans Gate nun fast auf der ganzen Länge verkehrsfrei ist. Mein heutiger Schwerpunkt galt der neuen Oper in der Nähe des Hauptbahnhofs, die ich im August 2008 nur ganz kurz bei schlechtem Wetter besuchen konnte. Das Gebäude ist ein architektonisch enorm gelungenes Werk, das fast schon alle andern Sehenswürdigkeiten der Stadt in den Schatten stellt. Das schiefe Dach ist begehbar und damit eine echte Attraktion. Leider ist die Umgebung der Oper immer noch ein halbes Schlachtfeld bis auf die Häuserzeile südlich des Hauptbahnhofs, wo sich einige Architekten verwirklichen konnten.
Der Besuch der Oper beanspruchte einige Zeit, da eine grosse, dunkle Wolke lange Schatten machte und ich sonnige Bilder bevorzugte. Vor der Oper waren auf grossen Wänden Bilder aus diversen Inszenierungen, die darauf hindeuten, dass die häufig unbekannten Opern recht modern und abstrakt aufgeführt werden. Der musikalische Ruf der neuen Osloer Oper ist mir unbekannt, war aber für die Besichtigung des Daches und das Auskosten der Architektur eigentlich nicht wichtig.
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Auch in Oslo geht's nicht ohne Schiffe. Am späteren Nachmittag tauchte die Fähre der Stena Line aus Frederikshavn auf und fuhr etwa zwei Stunden später wieder zurück.
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Schiffe und Fähren gehören in Oslo auch zum normalen Nahverkehr. Die Personenfähren Kongen (der König) und Dronningen (die Königin) fahren regelmässig ab Aker Brygge zu den wichtigsten Destinationen im Oslofjord.
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Da kein Kreuzfahrtschiff in Oslo war, war die Sicht von der Aker Brygge hinüber zur Festung Akershus frei.
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Nach dem Sonnenuntergang um 20.40 Uhr ging der Mond auf, der fest schon ein Vollmond war. Das Segelschiff Christian Radich strahlt im Mondschein eine besondere Stimmung aus. Das Rathaus wird bei Einbruch der Nacht angeleuchtet - von Scheinwerfern und nicht vom Mond.
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Auf dem Weg zum Hotel begegnete ich einer Gruppe jüngerer Leute, die ich nicht weiter beachtete. Plötzlich hörte ich den Ruf "Hallo ABB", worauf ich zunächst nicht reagierte, weil ich ja anonym hier in Oslo bin. Als der Ruf wiederholt wurde, drehte ich mich um und erkannte einen Monteur aus unserer Stromrichtermontage bei ABB Turgi. Auf meine Frage, was er denn hier mache, meinte er, er studiere hier. Was das auch immer heissen mag. Auf jeden Fall ist man nirgends sicher, unerkannt zu bleiben.
Die Reiseroute konnte erwartungsgemäss nicht aufgezeichnet werden, da der GPS-Tracker im Zug seine lebenswichtigen Satelliten nicht mehr fand. Daher nur der Ausschnitt vom Fussmarsch in Oslo, der mit immerhin 20.4 km Länge angegeben wird. Es mag an der Ungenauigkeit der Standortermittlung liegen, dass die Linie etwas beschwipst aussieht.
Morgen ist der letzte Ferientag, dann beginnt der Alltag wieder.
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