
24. Reisetag
Dienstag, 24. März 2015: Mt. Cook Village
Nachdem es gestern Abend immer weniger Wolken hatte, erwartete ich heute einen mehr oder weniger wolkenfreien Tag. Es wurde hier im Omarama erst gegen 8 Uhr so richtig hell, und ich stellte zwar gutes Wetter fest, aber doch hatte es noch einige Wolkenresten und in westlicher Richtung hatte es Schleierwolken. Also so ein Prachtstag wie im Milford Sound würde es nicht geben, war mir bald klar.
Nach dem Frühstück meldete ich mich bei der Reception des Motels ab und gab meinen Plan bekannt, in Richtung Lake Tekapo zu fahren. Die überfreundliche Chefin drückte mir noch entsprechende Prospekte in die Hand und gab mir Tipps, was ich auf jeden Fall machen sollte.
Die ersten 30 km bis zur Ortschaft Twitzel verliefen in absoluter Einsamkeit. Ich testete dabei erstmals die Tempomatfunktion aus, die auf den praktisch kurvenlosen, topfebenen Strassen durch das flache Hochland eine angenehme Unterstützung war. Ein paar Kilometer führten durch eine dichte Bodennebelbank. In Twitzel bekam der Mazda wieder einmal ein wenig Saft, ich wusste ja nicht, wo's auf der weiteren Strecke noch eine Gaststätte für ihn hätte (es war dann effektiv die letzte für die nächsten 100 km). Nach Twitzel, eine Art Retortenstadt, die im Zusammenhang mit den vielen Wasserkraftwerken entstand, gelangt man bald an den Lake Pukaki mit dem schönen Viewing Point über den See mit Blick bis zu den Südalpen. Der dominierende Mt. Cook war nun fast wolkenfrei.
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Die Autostrasse 80 führt dem Lake Pukaki entlang zum Mt. Cook Village durch eine herrliche Landschaft. Der Mt. Cook stellt eindeutig das Merkmal dar, dem man folgen muss. Sowohl entlang dem See als auch auf der nachfolgenden riesigen Ebene erblickt man nur eines: Mt. Cook!
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Die Wolkenfront war mehr oder weniger parallel zu meiner Autofahrt gewandert. Offenbar drang von Westen her bereits schon wieder feuchtere Luft ein, die nun die Südalpenkette überwinden musste. Dies merkte man beim starken Fallwind, der auf der Ostseite der Südalpen extrem stark bliess.
Den 3724 m hohen Mt. Cook zu besteigen, muss sehr schwierig sein, daher beschränkte ich mich auf eine Wanderung, die vom Hooker Valley aus startete und in knapp anderthalb Stunden zum "Hooker Glacier terminal lake" führte. So konnte ich doch endlich wieder einmal die um die halbe Welt transportierten Wanderschuhe benützen. Wettermässig war es zwischezeitlich komplett bewölkt, und es bliess eben der relativ warme Fallwind. Ich war froh, dass ich meine Mt. Cook-Aufnahmen im Kasten hatte, und konnte die Wanderung unbeschwert in Angriff nehmen. Ich war absolut nicht allein, es hatte ganze Völkerwanderungen, selbst vereinzelte Chinesen waren unterwegs.
Der Mt. Cook, immer wieder dominant über dem Wanderweg sichtbar, blieb wolkenfrei während der ganzen Zeit, während die anderen Berge in der Umgebung teilweise stark verhüllt waren.
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Am Gletschersee, der relativ nüchtern "Hooker Glacier terminal lake" genannt wird, befindet man sich direkt am Fuss des Mt. Cooks. Speziell sind die vom Gletscher abgebrochenen Eisstücke, die auf dem See treiben. Immerhin befindet sich 90% der Eismasse unter dem Wasser!
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Nach vollendeter Wanderung inklusive Rückweg wechselte ich das Tal und fuhr ins Mt. Tasman Valley. Dort machte ich ein paar kurze Wanderungen, war aber am Schluss doch auch rund zwei Stunden zu Fuss unterwegs.
In einer knappen halben Stunde ab Parkplatz erreichte ich den Tasman Glacier Lake. Dieser See war noch vor wenigen Jahren komplett mit dem Eis des Gletschers bedeckt, heute muss man den Gletscher weit hinten am Horizont suchen. Dafür rasen superschnelle Boote mit Touristen über den See, damit diese die auf dem Wasser schwimmenden Eisblöcke von der Nähe anschauen können.
Dieser See ist auch auf einem Bild des Helikopterflugs rund um den Mt. Cook, den ich am 14. März machte. Heute war das Wetter vor allem auf der Westseite zu schlecht für Flüge, daher war es absolut ruhig. Ansonsten wäre wohl die ganze Zeit lang das Geknatter mehrerer Helikopter zu hören gewesen. Ich darf mich aber keinesfalls beklagen, schliesslich gehörte ich auch zu den Lärmverursachern...
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Damit war für mich das Mt. Cook-Gebiet auch von dieser Seite soweit ergründet, dass ich die Rückfahrt starten konnte. Bis zur Einmündung in den Highway 8, also rund 60 km, hatte ich die Hauptstrasse 80 für mich allein. Einen Reisecar und zwei Chinesen in einem Mietwagen musste ich überholen, sonst hatte ich freie Fahrt. Der Tempomat arbeitete wieder für mich.
Ich war nun wieder ins bessere Wetter gefahren. Daher entschied ich mich, nun noch zum Lake Tekapo zu fahren, der in rund 55 km in östlicher Richtung liegt. Auch auf dem Highway 8 gab es absolut keinen Verkehr, so dass ich exakt eine halbe Stunde später bei der Ortschaft Lake Tekapo eintraf. Die Gegend ist derart dünn besiedelt, dass es nachts dunkler ist als überall anderswo. Auf einem 270m hohen Berg neben der Ortschaft wurde ein grosses Observatorium eingerichtet, wo Wissenschaftler nun in klaren Nächten die Sterne zählen. Ich steuerte auch gleich auf diesen Berg, weil ich sah, dass in wenigen Augenblicken auch hier die Sonne hinter einer Wolkenwand verschwinden würde. Ich wusste, dass jede Sekunde zählt, daher stresste ich meinen Mazda die steile Strasse hinauf. Oben angekommen, rannte ich aus dem Auto und machte von der herrlichen Landschaft einige Aufnahmen, dann war wirklich Schluss mit Sonne!
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Der Mt. John mit dem Observatorium wurde gerade von einer chinesischen Reisegruppe eingenommen. Daher fuhr ich gleich wieder runter und machte noch schnell in der Ortschaft Lake Tekapo einen Halt. Der Blick auf den See ist dort bei weitem nicht so imposant wie vom Observatorium. Eine kleine Kirche direkt am See ist der lokale Tourismusmagnet, entsprechend schwierig war es, das Gebäude ohne Touristen aufzunehmen, die mit ihren Platten und Phons herumrannten.
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Die rund 90 km zurück nach Omarama verliefen nun absolut verkehrsfrei. Während der gesamten Fahrt befand sich nie ein anderes Auto direkt vor oder hinter mir! Bei uns würde da gerast, was das Zeug hält, aber in Neuseeland fährt man korrekt seine 100 - 110 km/h, auch wenn die Strasse über etliche Kilometer schnurstraks gerade verläuft.
Beim Lake Pukaki machte ich einen kurzen Zwischenhalt und ein letztes Bild vom See mit den Alpen dahinter.
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Zurück in Omarama beabsichtigte ich, in eines der Restaurants zu gehen. Die Café-Bar an der grossen Strassenkreuzung war voll mit johlenden Fussballfans, die auf einem Grossbildschirm ein Fussballspiel verfolgten. Daher freute ich mich, unmittelbar daneben das Hotel Omarama zu finden. Der Speisesaal war praktisch leer, dennoch bat man mich in die Bar zu gehen. Und das war dann wieder die gleiche Bar wie eben beschrieben. Sonst war nichts mehr geöffnet, und ich zog dann meine Konsequenzen und ging in den Supermarkt einkaufen. Mein Motel-Appartment war ja mit einer vollwertigen Kücheneinrichtung ausgestattet, und so konnte ich mir eine reichhaltige warme Mahlzeit selber zubereiten. Eine Flasche Shiraz Carbernet Sauvignon aus Riverstone, Neuseeland (mit Drehverschluss, damit sie nicht gleich heute geleert werden musste) rundete das Essen ab.
Und der heutige Tagesbericht wird mit der Reiseroute abgerundet:
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