26. Reisetag

Donnerstag, 26. März 2015: Arthurs Pass

Wäre das Wetter ganz schlecht gewesen, wäre ich in Christchurch geblieben. Es war aber mittelmässig, das heisst, bewölkt aber trocken, so dass ich mich für den Ausflug zum Arthurs Pass entschied. Der Arthurs Pass ist einer der drei West-Ost-Übergänge der Südinsel, und zwar gemäss allen Reiseführern der attraktivste. Es führt auch eine Bahnlinie von Christchurch über Arthurs Pass nach Greymouth (siehe 13. Reisetag), die täglich mit einer Retourfahrt des TranzAlpine bedient wird und sonst dem Güterverkehr, insbesondere Kohletransporte von der West- an die Ostküste, zur Verfügung steht. Eine Fahrt über den Arthurs Pass, ob per Auto oder Zug, gehört fast zum Pflichtprogramm einer Neuseeland-Reise. Daher opferte ich den einen Christchurch-Tag.

Die ersten 90 km Fahrt führten wieder über die unendliche Ebene bis an den Rand des Gebirges. Während der Zug ununterbrochen dem River Waimakariri folgt, überquert der Highway 73 zunächst den Porters Pass und erst dann Arthurs Pass. Ich hoffte, den TranzAlpine-Zug unterwegs einmal fotografieren zu können, weshalb ich ab Christchurch zügig und ohne Halt in Richtung Arthurs Pass fuhr. Das Chaos in der Stadt war aber zu gross, und unterwegs gab es Schleichfahrten wegen Lastwagen, so dass ich den Touristenzug vermutlich um wenig Augenblicke verpasste. So landete ich in Arthurs Pass, bloss eine Ansammlung einzelner Häuser in einem bewaldeten Tal (inkl. Restaurant, Lebensmittelladen und Tankstelle). Porters Pass war noch eher ein Pass, wie wir ihn kennen, während Arthurs Pass eine kaum wahrnehmbare Wasserscheide darstellt.

Ich plante, den Touristenzug auf der Rückfahrt aufzunehmen, also um 16 Uhr in der Gegend von Arthurs Pass. Bis dahin hatte ich noch viel Zeit, die ich als erste Handlung mit einer Wanderung zum Wasserfall Devil's Punchbowl Falls verbrachte. Auf einem gut ausgebauten Wanderweg mit Holztreppen und Laufstegen waren auf kurzer Distanz sehr viele Höhenmeter zu überwinden, dafür wurde ich mit dem Anblick des 131 m hohen Wasserfalls entschädigt.

Ich dachte, ich würde nun die nächste Zeit auf dem Bahnhof von Arthurs Pass verbringen, um einen allfälligen Kohlezug fotografieren zu können. Als ich zum Bahnhof kam, stand aber ein Personenzug dort, obwohl gar keiner zu dieser Zeit fahren sollte. Eine Hostess sagte mir dann, es handle sich um einen Zusatzzug für Reiseagenturen, und die drei Personenwagen waren tatsächlich gut besetzt. So konnte ich doch noch wenigstens einmal in diesen Ferien einen Personenzug der Kiwi-Rail fotografieren.

Westlich von der Station Arthurs Pass verschwindet der Zug in einem steil abwärts führenden Tunnel. Für die schweren Kohlezüge werden gleich fünf Lokomotiven benötigt, um die grosse Last bergwärts zu ziehen, derweil drei Lokomotiven in Arthurs Pass wieder abgehängt werden. Nach dem Passieren eines solchen Kohlezugs muss der Tunnel eine halbe Stunde lang durchgeblasen werden.

Von so einem Kohlezug konnte ich nur träumen. Ich ging nach der Abfahrt des Personenzugs rasch zum Auto, um noch ein paar Sachen zu holen, anschliessend installierte ich mich wieder beim Bahnhof. Es vergingen keine fünf Minuten, bis ich den "Sound" von Diesellokomotiven wahrnahm. Und schon tauchte aus dem Tunnel eine Fünffach-Traktion Diesellokomotiven mit einem langen Kohlezug auf! Das genoss ich aber wirklich.

Das ganze Bahnnetz in Neuseeland ist schmalspurig, d.h. etwas breiter als Meterspur (sogenannte Kapspur mit 1067mm Spurweite). Die Bahnlinien sind ähnlich steil und kurvig in die Landschaft gebaut worden wie zum Beispiel die Rhätische Bahn. Auf der Südinsel gibt es nur noch von Picton (Fähre nach Wellington) bis Christchurch und von Christchurch nach Greymouth über Arthurs Pass Personenzüge, ansonsten wird das noch bestehende Netz nur von Güterzügen befahren.

Ich fand die Fotomöglichkeiten im Bahnhof von Arthurs Pass nicht so optimal, weshalb ich mich entschied, die Rückfahrt anzutreten und bei der grossen Bahnbrücke, die den River Waimakariri überquert, den Kohlezug abzuwarten. Bis drei der fünf Lokomotiven abgehängt sind, würde noch länger dauern, so dass ich ohne Stress dem Zug voraus fahren konnte. Etwa zwanzig Minuten später war ich an der geplanten Fotostelle eingetroffen, und kaum hatte ich mich parat gemacht, kam ein Personenzug gefahren. Da die Lokomotive die gleiche Nummer trug wie diejenige, die ich vor einer Stunde in Arthurs Pass aufgenommen hatte, handelte es sich folglich auch um den gleichen Zug. Dieser muss unterwegs irgendwo lange stehen geblieben sein.

Bis der Güterzug dann endlich kam, vergingen weitere 40 Minuten. Das waren lange Minuten, weil ich ja nicht wusste, wann der Kohlezug wirklich kam, und weil ich von den Sandflies fast aufgefressen wurde. Mit diesen Biestern hatte ich nicht gerechnet, aber die waren sehr zahlreich und schienen mein Blut ausserordentlich zu mögen.

Der reguläre TranzAlpine hatte Abfahrtszeit um 15.57 in Arthurs Pass, so dass ich ihn etwa 10 Minuten später auf der Brücke erwartete. Er tauchte aber schon um16.02 Uhr auf, folglich war er in Arthurs Pass vorzeitig abgefahren. Obwohl ich die die Minuten zwischen dem Güterzug und diesem Zug in meinem Auto mit nur 5 statt 100 Sandflies (Sandfliegen) verbrachte, war ich zum Glück rechtzeitig parat zum Abdrücken.

Die Breite und Weite des Flussbetts des River Waimakariri ist eindrücklich.

Im Gebirge hellte es ein wenig auf, die Sonne leuchtete immer wieder zwischen den Wolken hindurch. Es gab eine angenehme Rückfahrt in Richtung Christchurch mit wenig Verkehr auf dem Highway 73. Wo es mir gefiel und wenn es gerade ging, hielt ich an und fotografierte die wunderbare Landschaft.

Unterwegs fielen die Kalksteingebilde links und rechts der Strasse immer mehr auf. Beim Castle Hill Scenic Reserve hat es eine grosse Anzahl ganz speziell geformter Felsen, die in einer Wiesenlandschaft stehen. Es wäre schade gewesen, wenn ich dort keinen Halt eingelegt hätte.

Hier war wirklich die Natur der Künstler.

Auf der Passhöhe des Porters Pass legte ich den letzten Fotohalt ein, un dann nonstop nach Christchurch zu fahren.

Christchurch besitzt wie Queenstown und Rotorua eine stadtnahe Gondelbahn (the Gondula), die ich auf dem Weg zum Hotel noch anschauen wollte. Hätte ich nicht die Adresse der Talstation einmal aufgeschrieben, hätte ich die Bahn nie finden können. Auf dem Weg dorthin hatte es nicht einen einzigen Wegweiser. Zum Glück führte mich das Navigationsgerät zur Gondelbahn, die aber schon nicht mehr in Betrieb war. Es handelt sich um eine Null-Acht-Fünfzehn-Bahn von Doppelmayr mit Gondeln der CWA Aarburg. Je nach Wetter gibt es vielleicht morgen eine Gelegenheit, die Bahn in Betrieb zu sehen.

Das war der heutige Tag. Wie immer folgt die Reiseroute.