
27. Reisetag
Freitag, 27. März 2015: Christchurch - Picton
Da ich den gestrigen Tag dem Arthurs Pass gewidmet hatte, musste ich meine zwei "Must-Do" in Christchurch heute Vormittag erledigen. Allzu spät durfte es jedoch nicht werden, schliesslich wartete noch die rund 350 km lange Fahrt nach Picton zum Fährhafen.
Als ich aufstand, lag dichter Bodennebel über Christchurch. Etwa um neun Uhr hob sich dieser, einzelne blaue Löcher waren sichtbar, und die Hoffnung auf eine baldige Auflösung war da. Dem war aber nicht so. Ich verbrachte noch rund zweieinhalb Stunden im Zentrum von Christchurch, um einerseits diverse Sehenwürdigkeiten, respektive das, was davon geblieben ist, anzuschauen, und um andererseits ein paar Fotos vom Oldtimertram zu machen. Für das Fotografieren der Trams war der bedeckte Himmel von Vorteil, ansonsten wäre es von den Lichtbedingungen schwierig geworden. Ende Oktober in der Stadt Zürich Trams fotografieren ist ja auch nicht leicht, weil die Sonne eben schon recht flach scheint und viel im Schatten liegt.
Als ich ins Zentrum kam, war schon ein vierachsiger Tramwagen unterwegs. Der mit der Fahrzeugnummer 178 versehene plumpe Oldtimer transportierte schon ganz munter Touristen umher. Plötzlich tauchte ein zweiter Wagen auf, ein schöner Zweiachser. Noch etwas später folgte ein dritter Wagen, den Aufschriften zufolge ein ehemaliges Tram aus der Stadt Invercargill, wo es offenbar auch einmal ein Tramnetz gab. Ich machte an verschiedenen Stellen Fotos, unter anderem auch vor der Ruine der Kathedrale, in der New Regent Street und in der Ladenpassage, wo sich das Swiss Bistro und die Haupteinstiegsstelle befinden. Obwohl auf der Ringlinie drei Kurse unterwegs waren, dauerte es manchmal recht lange, bis wieder ein Tram auftauchte.
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In Christchurch wird überall gebaut, wenn man werktags ins Zentrum geht. Dennoch dürfte es 10-20 Jahre gehen, bis die Innenstadt wieder komplett ist. Erstaunlich ist, wie viele moderne Bauten leer stehen und nicht mehr betreten werden dürfen. Damit die Leute wieder in die Innenstadt zum Einkaufen kommen, baute die Stadtverwaltung eine Einkaufsmall aus Schiffscontainern. Das historische Ensemble des Arts Centre wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, dennoch werden die Gebäude alle renoviert, Risse geflickt und die Statik verstärkt.
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Der Nebel machte keine Anstände, sich bald aufzulösen. Da mir die Zeit langsam ausging, beendete ich den Aufenthalt im Stadtzentrum und fuhr mit Hilfe des Navigationsgeräts zur Gondelbahn (The Gondola). Im Gegensatz zu gestern Abend fand ich heute auf dem Weg zur Gondelbahn einen einzigen Wegweiser, aber dieser stand so nahe von der Gondelbahn, dass er kaum mehr nötig war.
Man sah von der Talstation der Gondelbahn aus die Bergstation auf dem Port Hill, und selbst ein Wolkenloch öffnete sich gerade. Ich war zuversichtlich, dass ich dann von der Bergstation schon das meiste sehen würde, und löste daraufhin die Fahrkarte. Die Gondelbahn wurde 1992 von Doppelmayr mit Kabinen von CWA Aarburg/Olten gebaut. Sie ist nicht sonderlich leistungsfähig, fährt relativ langsam und wurde 2011 beim Erdbeben massiv beschädigt.
Oben angekommen, war ausser Nebel vorerst wenig zu sehen. Auf der andern Seite des Bergs liegt die Bucht mit der Ortschaft Lyttelton, wo auch der Frachthafen für Christchurch zu finden ist. In diese Richtung machte es am ehesten den Eindruck, dass sich der Nebel auflösen könnte, denn erste blaue Löcher waren zu sehen, und diese schienen immer grösser zu werden. In der Tat löste sich der Nebel in der nächsten halben Stunde in erfreulich schnellem Tempo auf, selbst in westlicher Blickrichtung, wo Christchurch liegt, verschwand er dann recht bald. Ich freute mich sehr, dass ich auch dieses landschaftliche Highlight noch geniessen durfte.
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Es war 13.30 Uhr, als ich wieder unten war und die lange Fahrt nach Picton startete. Genau diese Zeit war die "Dead line", später wollte ich keinesfalls abfahren, da doch noch 350 km Weg vor mir lagen.
Ich musste noch einmal Christchurch durchqueren, ein endloses Stop-and-Go vor Lichtsignalanlagen, dann gelangte ich auf den Highway 1, der angesichts seiner Bedeutung immer recht viel Verkehr hat. So verabschiedete ich mich von Christchurch, und sollte ich jemals wieder kommen, werden bis dann sicher viele neue Bauten in der Innenstadt errichtet worden sein.
Die erste richtige Ortschaft nach Christchurch war Kaikoura nach 165 km. Anfänglich war das Wetter superschön, rund 30 km vor Kaikoura schloss sich die Hochnebeldecke wieder. Hätte ich einen Tag mehr auf der Südinsel geplant gehabt, wäre ich hier in Kaikoura geblieben, um eine Walsafari zu machen. Offenbar nirgends kann man besser die grossen Wale sehen als hier und tolle Fotos machen mit der Schwanzflosse über Wasser und Berge im Hintergrund. Da ich aber nur auf der Durchfahrt war, reichte es nur für einen Fotohalt auf einem Aussichtshügel am Rand der Ortschaft.
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Die Saison ist Ende März nun wirklich spürbar am Auslaufen. In Kaikoura waren einzelne Touristen zu sehen, in der Hochsaison dürfte hier wesentlich mehr los sein.
Nach dieser Pause setzte ich die Fahrt auf dem Highway 1 fort. Nun folgte die Strasse alles dem Meer, was landschaftlich sehr schön war, dafür erlaubten die vielen Kurven kaum mehr als 80 km/h. Beim Ohau Point, wo ein Aussichtspunkt angekündigt wurde, hielt ich an. Anhand der zahlreichen weiteren Autos wurde dann klar, dass hier ein Halt angebracht war. Eine grosse Seelöwen-Kolonie lebt dort, und die Tiere liessen sich sehr gut beobachten. Es war auch "Action" zu sehen, da die Jungtiere fortlaufend herumkrabbelten. Etwa 20 Minuten gönnte ich mir, dieses Schauspiel anzusehen.
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In der Ferne hörte die Wolkendecke geradlinig auf, so dass ich noch auf ein Stück Sonnenschein hoffen konnte. Es ging dann länger, bis ich dort war, aber ich freute mich auf die Abendstunden im schönen Abendlicht.
Eine folgten eine kleine Steinkirche und der letzte Blick aufs Meer, bevor die Strasse die Küste verliess.
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Die Landschaft bestand nun aus sanften Hügeln, entsprechend ging die Strasse auf und ab. Je weiter nördlich ich kam, desto ausgeprägter war der Weinbau. Die Weinberge wurden fortlaufend grösser, und die knallgrünen Reben kontrastierten mit dem braunen, trockenen Herbstgras und dem prächtig blauen Himmel. Ich war richtiggehend fasziniert von der Schönheit der Gegend.
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Der mittlerweile recht dünne Verkehr erlaubte es mir, relativ spontan anzuhalten, um die herrliche Landschaft fotografisch festzuhalten.
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Die Ortschaft Seddon lebt offensichtlich vom Weinbau. So weit das Auge reichte, waren Weinreben zu sehen, alle schnurgerade ausgerichtet, mit Parkanlagen, künstlichen Seen und guten Strassen dazwischen. Ein Wegweiser mit "sea view" verlockte mich, schnell mal einen Blick aufs Meer zu werfen, was dann aber mehr Zeit als erwartet benötigte. Bis zum Meeresblick waren es einige Kilometer Fahrt, die durch die Fotohalte wesentlich verlängert wurde. Aber der Weg bis zur Küste hatte sich in allen Aspekten gelohnt.
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Ich war im absolut besten Moment bei der Beach eingetroffen, als das Cape Campbell am Horizont im wunderschönen Abendlich erstrahlte. Es gelang mir, ein paar Fotos zu machen, dann verschwand die Sonne hinter Wolken.
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Ich war nicht ganz allein am Strand, denn ich musste die weit geschwungene Bucht mit einem Seelöwen teilen. Dieser lag in aller Gemütlichkeit dort und nahm keine Notiz von mir.
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Die Natur kreiert häufig die schönsten Kunstwerke, insbesondere im Abendlicht. Keine Fotomontage, kein Trick, sondern die effektive Realität zeigt das nachfolgende Bild des Gebirges in der Ferne.
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Ich rechnete nicht damit, dass ich nach dem Sonnenuntergang noch einmal den Fotoapparat einschalten würde. Doch es kam anders. Bei der Überquerung des River Awatere stachen mir die alte Eisenbahnbrücke und das breite Flussdelta sofort in die Augen.
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Bald durchquerte ich die Ortschaft Blenheim, und nach weiteren 27 km war die Endstation in Picton erreicht. Mein Ziel, vor 20 Uhr dort einzutreffen, war eingehalten, trotz der Halte in Kaikoura, bei den Seelöwen und in der Weingegend Seddon.
Die Reiseroute rundet den heutigen Bericht ab.
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