31. Reisetag

Dienstag, 31. März 2015: Forgotten World Highway

Als ich gestern Abend beim Eindunkeln vom Motel ins Stadtzentrum ging, traute ich meinen Augen nicht: der noch erst ziemlich fest in Wolken gehüllte Mt. Taranaki war völlig wolkenlos! Daher waren meine Hoffnungen gross, ihn auch heute Morgen so vorzufinden. War er aber nicht. Es hatte wieder sehr viele Quellwolken, so dass kaum etwas vom Kegel zu sehen war. Für diesen Fall hatte ich vorgesorgt, indem ich meinen Aufenthalt in New Plymouth von zwei auf drei Nächte ausdehnte. Heute Abend würde ich also nach New Plymouth zurückkehren und dann vielleicht Glück haben.

Tagsüber suchte ich mein Glück auf dem Highway 43, der "Forgotten World Highway" genannt wird. Kaum jemand verirrte sich in dieses fast unbewohnte Gebiet mit der 140 km langen und aus 10'000 Kurven bestehenden Strasse, also gab man der Strasse den Beinamen "Hauptstrasse der vergessenen Welt". Seither hat sich die Anzahls Autos verdoppelt, es sind jetzt 2 statt 1 pro Stunde...

Von New Plymouth musste ich zunächst nach Stratford fahren, dann begann der Highway 43. In der Tat war ich wirklich praktisch allein, aber die Landschaft war die Reise wert.

Die einzige Ortschaft zwischen Stratford und Taumarunui ist Whangamomoa, und das ist nicht nur eine Ortschaft, sondern eine eigene Republik! Whangamomoa hat sich zur eigenen Republik ausgerufen mit Regierungssitz im Hotel des Orts. An einzelnen Tagen muss man sogar ein Visum lösen, um den Ort zu durchqueren.

Heute war absolut tote Hose im Zentrum dieses 40-Seelen-Dorfs und es herrschte keine Visumspflicht. Daher machte ich eine kurze Besichtigung, um zu spüren, wie es in der "verlorenen Welt" aussieht.

Die Fahrt durch die "vergessene Welt" führte noch weit, 12 km lang über Naturstrasse und durch einen 180 m langen Einspurtunnel. Die Autos, die mir begegneten, konnte man an einer Hand abzählen.

In Taumarunui, nach über 140 km vergessener Welt, war dann wieder Zivilisation. Die Ortschaft verfügt über eine Einkaufsstrasse und alles, was es zum Überleben braucht. Hier gab es für mich mal eine Pause, weil zwei Sachen anstanden:

Erstens musste ich die Bedienungsanleitung des Autos studieren, weil seit ein paar Kilometern ein oranger Schraubenschlüssel aufleuchtete. So wie ich die Lage interpretierte, passierte das bei Kilometerstand 9500, um an den Service bei Kilometerstand 10'000 zu erinnern. Dies beruhigte mich, denn ich wollte keinesfalls irgendwo stecken bleiben, denn Mobiltelefonabdeckung ist ein Fremdwort in Neuseeland.

Zweitens wollte ich den einzigen Passagierzug fotografieren, der hier hätte vorbeifahren sollen. Aber nachdem er nie kam, wartete ich nicht mehr länger.

Die Rückfahrt nach New Plymouth erfolgte etwas weiter nördlich über den Highway 40 an die Küste und von dort weiter dem grossen Highway 3 entlang. Der Highway 40 war etwa auf 30 km ohne Asphalt und noch kurviger als das, was ich am Morgen erlebt hatte. Immerhin 3 Autos hatte ich gekreuzt, bis ich den Highway 3 erreichte.

Während es im Landesinnern recht viele Wolken hatte, war New Plymouth fast wolkenfrei. Ich machte nun den nächsten Versuch am Stausee Lake Mangamahoe, um den Mt. Taranaki aufzunehmen. Dieser zeigte sich nun auch fast wolkenfrei, und die begehrte Aufnahme konnte gemacht werden!

Anschliessend umrundete ich den Berg, um von der andern Seite Fotos zu machen, wenn die Sonne langsam ans Untergehen denkt. Die Abkürzung, die ich nahm, war vielleicht wegmässig kürzer, aber dafür sehr kurvenreich und führte durch den Regenwald ohne Möglichkeit, mich zu orientieren. Auf der andern Seite des Bergs hatte es wesentlich mehr Wolken als erwartet, dennoch gab es ein paar eindrückliche Abendaufnahmen.

Da nun bald die Phase des Eindunkelns begann, fuhr ich zum Hügel, den ich bei der Ankunft in New Plymouth schon halbwegs bestiegen hatte. Dort gab es dann das Finale für heute, nämlich Abendaufnahmen von New Plymouth und vom Mt. Taranaki.

Schliesslich fuhr ich zum Motel zurück, deponierte meine Sachen und ging zu Fuss ins Stadtzentrum für das Nachtessen.

Die heutige Reiseroute: