33. Reisetag

Donnerstag, 2. April 2014: Thames - Whangarei

Zunächst mal die Beichte: die Geschichte von gestern mit der Rugby-Fernsehübertragung auf die Rastplätze ist natürlich nichts anderes als ein Aprilscherz. Da hat wirklich einer seinen Fernseher auf einem Picknick-Tisch entlang dem Highway der vergessenen Welt entsorgt, wie das aussieht. Ansonsten findet man in Neuseeland wirklich nirgends Abfall herumliegen, schon gar nicht Elektroschrott.

Nun zum heutigen Tag. Es war am Morgen schönes Wetter, nicht mit wolkenlosem Himmel, aber grundsätzlich sah es gut aus. Ich war lange im Zweifel, ob ich mir das antun soll oder nicht, aber in rund 80 km Entfernung auf der Coromandel-Halbinsel hatte es noch Attraktionen, die ich anfangs dieser Ferien aus Zeitgründen auslassen musste, und nun doch gerne gesehen hätte. Ich redete mir ein, man könne nicht alles haben, doch angesichts des guten Wetters konnte ich es doch nicht lassen. Zumal zwischen Thames und Whangarei eigentlich keine Sehenswürdigkeiten zu sehen sind.

So fuhr ich also von Thames zuerst über den Bergrücken der Coromandel-Halbinsel und steuerte die Ortschaft Hahei an. Obwohl ich den Eindruck habe, die Anzahl Touristen sei in den letzten Tagen massiv zurückgegangen, tauchen diese dann aber sehr konzentriert bei den Sehenswürdigkeiten alle wieder auf. Das war hier tatsächlich der Fall, ausser die Chinesen, die sowohl New Plymouth als auch hier in Hahei bei der Cathedral Cove fehlten. Bei meiner Ankunft hatte es schon einige Autos und Wohnmobile auf dem Parkplatz.

Die Cathedral Cove ist eine Art Tunnel fürs Meerwasser, und der Tunnel hat die Form einer Kathedrale. Der Weg vom Parkplatz zur Cathedral Cove wird mit 45 Minuten angegeben, ich war jedoch nach 17 Minuten schon dort, ohne dass ich gerannt wäre (die Gehzeitangaben sind häufig in Neuseeland grosszügig ausgelegt). Der Weg führte vom Parkplatz auf einer Anhöhe hinunter an einen Sandstrand zu der Höhle, die das Meerwasser vor Millionen von Jahren geschaffen hatte. Angesichts der Lichtunterschiede hell - dunkel war es bei derart schönem Wetter sehr schwierig, die Cathedral Cove fotographisch festzuhalten. Dann kam hinzu, dass so viele Leute dorthin pilgerten, dass man die Felsen kaum ohne Personen fotografieren konnte. Ich musste mein Vorhaben, ein absolut natürliches Bild ohne andere Personen zu machen, bald der Situation, denn in gewissen Positionen hatte es einfach zu viele Leute.

Ganz in der Nähe, das heisst etwa 5 km von Hahei entfernt, befindet sich die Hot Water Beach. Dorthin lockt es noch mehr Leute als zur Cathedral Cove, weil man aktiv tätig sein kann. Man trifft auf einen grossen Strand, auf dem sich die Badenden alle am gleichen Ort aufhalten, anstatt dass sie sich besser verteilen würden. Der Grund liegt darin, dass es dort heisses Wasser im Boden hat und alle darauf warten, solch eine heisse Quelle zu finden und dann mit dem Sand eine Badewanne bauen. Alle rennen mit Schaufeln und Eimern herum, und da wird geschaufelt, was das Zeug hält. Anstelle einer Abkühlung im Meer verbrühen sie sich dann im heissen Wasser, aber nur die wenigsten sind erfolgreich beim Finden einer Heisswasserquelle. Es scheint Spass zu machen, nach dem heissen Wasser zu graben, wie die Bilder zeigen.

Das waren also die beiden Sehenswürdigkeiten auf der Halbinsel Coromandel, die ich vor 4 Wochen aus Zeitgründen auslassen musste. Für mich hatte sich der Weg heute dorthin gelohnt.

Bis Thames ging es den gleichen Weg zurück, den ich am Morgen gekommen war. Dann folgte eine eher langweilige Fahrt in Richtung Auckland mit zunehmend starkem Verkehr, je näher ich zu Auckland kam. Meine Frage, ob man in Neuseeland auch Karfreitag feiert, erübrigte sich, als der Gründonnerstag-Ferienverkehr das ganze Strassennetz in und um Auckland verstopfte. Ganz Auckland war auf den Rädern. Ich benötigte rund 2 Stunden, bis ich die Stadt durchquert hatte und nördlich von Auckland aus dem Schlimmsten heraus war. Mein Navigationsgerät führte mich nicht schlecht, aber auf vier- und fünfspurigen Motorways mit zahlreichen Ein- und Ausfahrten musste ich mich stark konzentrieren. Zum Glück fahren die meisten Neuseeländer sehr diszipliniert Auto, so war es recht problemlos möglich, die Fahrspur bei Bedarf zu wechseln. Andere wechselten sogar alle 50 m, um ein Quäntchen schneller vorwärts zu kommen. Auch die grosse Harbour-Bridge in Auckland wurde überquert - auf einer Autobahn mit je 5 Spuren in beiden Richtungen, sehr eindrücklich mit wunderbarem Panorama auf die Hochhäuser der Innenstadt.

Die Neuseeländer haben den Hang, zu nahe aufzuschliessen. Bei den wenigsten geht es darum zu drängeln, sondern einfach infolge Unwissenheit bezüglich Reaktionszeit und Bremsweg. Auf der Fahrt nordwärts von Auckland nach Whangarei gab es zwei Verrückte, die wohl unter einem Meter Abstand hatten, obwohl ich die zulässige Geschwindigkeit sogar überschritten hatte. Entweder liegt das an den Menschen hier im Norden der Nordinsel, oder sie spinnten alle wegen Gründonnerstag.

Auf etwa 30 km gab es eine leicht längere und weniger schnelle Alternativroute zum Highway 1. Dort hatte es wesentlich weniger Verkehr, keiner hockte auf, und die Landschaft war erst noch viel attraktiver. Bei Lange Beach fand ich einen wunderschönen Strand.

Es wurde schliesslich 19:30 Uhr, als ich beim Motel in Whangarei eintraf. Ich wurde wieder sehr freundlich aufgenommen, es dürfte aber kaum viele andere Touristen hier haben. Vor den 12 Motel-Appartments standen nur 3 Autos, das heisst dass nur rund 1/4 der Räume belegt sein dürften. Ich hätte gedacht, der Osterverkehr bringt mehr inländische Touristen.

Nach dem Auspacken spazierte ich ins Stadtzentrum und nahm in einem thailändischen Restaurant das Nachtessen ein. Whangarei ist der grösste Ort in Northland, soll laut Reiseführer um 50'000 Einwohner zählen und verfügt über eine echte Innenstadt mit Einkaufsstrassen und Fussgängerzone.

Bis Auckland war heute das Wetter recht gut, dann überzog sich das Land mit einer grossen Wolkendecke. Erst im Norden war dann wieder mehr Sonne.

Zum Abschluss wieder die Karte mit der Reiseroute: