5. Reisetag

Donnerstag, 5. März 2015: Auckland - Tauranga

Der Mietwagen war auf 11 Uhr beim Flughafen bestellt. Ich miete meist den Mietwagen an einer Flughafenstation, weil dort die grösste Auswahl vorhanden ist und weil die Rückgabe am einfachsten an einem Flughafen ist. Den Flughafen findet man immer, während eine Mietstation irgendwo in der Stadt unter Umständen eine lange Suche auslöst.

Man drückte mir am Schalter unzählige Papiere in die Hand und redete auf mich ein, und ich hatte meine liebe Mühe, das Wesentliche daraus zu verstehen. Für weiss Gott was alles musste ich unterschreiben, so dass ich ernsthaft gesehen gar nicht hundertprozentig wusste, was ich da alles eingegangen war. Der Selbstbehalt bei einem Unfall beträgt bis 3'500 neuseeländische Dollars, was umgerechnet etwa 2'600 Schweizerfranken sind. Diese Konditionen wendet nicht nur Avis an, sondern auch die anderen Vermieter, etwas Vergleichbares hatte ich in Europa noch nie erlebt. Ich erhielt meine Zündschlüssel und die Angabe des Parkfelds, wo der Wagen steht, dann war ich mir allein überlassen.

Nach dem Einräumen des Autos probierte ich die diversen Funktionen aus. Es ist ein Mazda, Typ gemäss Bedienungsanleitung, schwarz (bei der Übernahme), hat Platz für vier Personen und einen Koffer...

Da ich von Schottland Linksfahrer-Erfahrung hatte, war ich schnell wieder drin. Ich steuerte sicher aus dem Flughafengelände und fuhr wenige Kilometer auf einen Zuschauerparkplatz bei der Startpiste, wo ich mich noch weiter mit dem Auto vertraut machte. Ich war sicher, dass auch dieser Wagen noch für die eine oder andere Überraschung sorgen würde. Besonders mühsam empfand ich gleich, dass Scheibenwischer und Blinker vertauscht waren.

Wie im Reiseführer empfohlen, nahm ich nicht den schnellen Weg über den Highway 1 zur Coromandel Halbinsel (Coromandel Peninsula), sondern die Landstrasse entlang dem Firth of Thames. Diese war wesentlich attraktiver, jedoch schwieriger zu finden. So stellte sich die erste Herausforderung: wie sagt mir das Navigationsgerät, wo ich durchfahren muss, wenn ich gar keine Destination kenne? Ich musste auf der Karte eine Ortschaft ausfindig machen und unter den vorgeschlagenen Strassen eine aussuchen, damit das Navi willens war, mir den Weg zu weisen.

In der Kawakawa Bay (Bay = Bucht) traf ich zum erstenmal auf das Meer, worauf ich gleich den ersten Fotohalt einlegte.

Ein nächster Halt fand bei der kleinen Ortschaft Kaiaua statt. Dort wurde mir endlich klar, wer den Weihnachtsbaum erfunden hat: die Neuseeländer! Der Pohutukawa, der neuseeländische Weihnachtsbaum, ist in dieser Gegend immer wieder zu sehen.

Schon relativ weit aussen auf der Coromandel Peninsula, im Weiler Manaia, genoss ich die Aussicht bei einem weiteren Halt.

Auf der Westseite der Coromandel Peninsula ist der gleichnamige Ort - Coromandel - der bedeutendste Fleck. Er hat ein kleines Ortszentrum mit diversen Einkaufsläden und macht einen ganz typisch neuseeländischen Eindruck.

Am Rand von Coromandel Town findet man eine Schmalspurbahn, die "Driving Creek Railway" genannt wird und erst in den 1970er-Jahren entstand. Sie wurde angelegt, um Rohstoffe für die Töpferei zu transportieren, ist heute aber praktisch nur noch Touristenbahn. In garteneisenbahn-ähnlichen Fahrzeugen fährt man eine etwa 3 km lange Strecke ab, die fortlaufend ansteigt und über mehrere Spitzkehren verfügt. Meist bewegt man sich mitten im Regenwald, doch zwischendurch sieht man immer wieder die laufend attraktiver werdende Aussicht. Die Endstation liegt etwa 300 m höher bei einem Holzturm, der "Eyefull Tower" genannt wird - gleich ausgesprochen wie Eiffelturm. Der Initiant dieser Bahn war ein Ökoaktivist, der die Bestände bedrohter Baumarten erhöhen und grössere Flächen wieder aufforsten wollte. Neuseeland war einst zu 80% mit Wald bedeckt.

Ich fuhr zu dieser Töpferei und konnte für die nächste Fahrt ein Ticket lösen. Die Fahrt selber dauerte eine ganze Stunde, war aber ein absolutes Highlight.

Auf der nachfolgenden kurvenreichen Fahrt um die Halbinsel Coromandel stellte ich fest, das 1 cm auf der Landkarte bis zu 30 km Autostrasse bedeuten können. Zwar wäre der Kartenmassstab 1:1'500'000, also 1 cm entsprechen 15 km, doch die Strassen sind wegen den zahlreichen Kurven bis zu doppelt so lang als die Luftlinie. Das Vorwärtskommen benötigte wesentlich mehr Zeit als angenommen, so dass mein Zeitplan langsam aber sicher strapaziert wurde. Bis ich die Ortschaft Wahitianga, die bedeutungsvollste auf der Ostseite der Halbinsel, erreichte, war es schon 17:45 Uhr geworden. Ich war mir schon sicher, mich verfahren zu haben, aber es war tatsächlich eine wesentlich längere Strecke als aus der Karte ersichtlich.

Die interessanten Gesteinsformationen bei Cathedral Cove anzuschauen, lag nicht mehr drin, es reichte nur noch für einen kurzen Fotohalt in Wahitanga.

Die restliche Strecke bis Tauranga, ein paar Centimeter auf der Landkarte, errechnete das Navigationsgerät mit 170 km. Das war noch ein rechter Brocken, da ja die Strasse weiterhin vornehmlich aus Kurven bestand. Ausserdem begann es dann zu regnen. Bei der Ankunft in Tauranga fand das Navi die Strasse mit dem Hotel nicht, so dass ich mein Mobiltelefon beiziehen musste, um mit google maps die Orientierung zu finden. Nach einer sinnlos langen Suche fand ich dann das Hotel, das ich mir so sehnlichst herbeigewünscht hatte. Es war zwischenzeitlich dunkel geworden, was natürlich erschwerend wirkte.

Das nachfolgende Bild zeigt die Reiseroute des 5. März 2015