15. Reisetag

Freitag, 3. August 2012

Trondheim-Lycksele

Die heutige Etappe war von Anfang an als Fahretappe vorgesehen, daher waren auch keine eigentlichen Highlights eingeplant. Wäre das Wetter gut gewesen, wäre es aber sicher noch zu ein paar Zugaben gekommen, aber es war eben schlechtes Wetter.

In Trondheim fuhr ich noch bei recht sonnigem Wetter ab, landete aber bald unter einer kompakten Wolkendecke und durchfuhr manchen Regenschauer. Hier an der heutigen Endstation in Lycksele in Nordschweden ist es trocken, aber der Himmel ist bedeckt. Weit in der Ferne sieht man blauen Himmel.

Von Trondheim aus gelangte ich auf dem schnellsten Weg nach Storlien, dem ersten Ort auf schwedischem Boden auf der Route Trondheim-Östersund. Eigentlich hätten sich um 10.10 Uhr im Bahnhof Storlien, der um Faktoren grösser ist als mir vorgestellt, zwei Züge kreuzen müssen, aber aus unbekannten Gründen fuhren die nicht. So stand ich im Regen mit dem Fotoapparat auf dem Bahnhof und meine Beute blieb aus. Erstaunlicherweise war der Bahnhof mit allem Drum und Dran besetzt, obwohl die nächste Zugsankunft erst um 18.30 Uhr angekündigt ist. Ansonsten ist Storlien ein Wintersportort, d.h. eine Ansammlung von Häusern, ein Supermarkt und eine Tankstelle, und es war wirklich tote Hose.

Durchgehende Züge von Trondheim nach Östersund gibt es täglich maximal 2, die von der Betreibergesellschaft Veolia mit Rollmaterial der NSB geführt werden. Da die Morgenzüge, die sich in Storlien hätten kreuzen sollen, ausfielen, war nur der Nachtzug aus Stockholm im grosszügigen Bahnhof abgestellt. Dieser Zug zählt immerhin 10 Wagen. Vor vielen Jahren, auf meiner 2. Norwegenreise im Jahr 1995, fuhr ich mit einem Tageszug von Stockholm direkt nach Trondheim. Leider wurde dieses Angebot, wie viele andere im ÖV-Bereich, ersatzlos gestrichen.

Auf der E14 fuhr ich dann nach Åre, dem Wintersportort, der erst kürzlich die Ski-WM durchführte. Am 12.8.2005 war ich bereits schon einmal in Åre. Damals herrschte absolute Nebensaison in diesem Ort, und ich fand kaum eine Übernachtungsmöglichkeit. Heute war es ganz anders, es hatte haufenweise Touristen, alle Bergbahnen waren in Betrieb, und nichts deutete darauf hin, dass das Saisonende bevorsteht. Das kann aber schnell gehen in Schweden. Seit meinem letzten Besuch wurde wahnsinnig viel gebaut, das wohl alles im Zusammenhang mit der Ski-WM.

Åre ist das Zermatt von Schweden. Während das Gelände in Storlien (600 m ü.M.) an der norwegischen Grenze nur leicht hügelig ist, hat es in Åre richtige Berge. Åre liegt nur auf 400 m.

Ich besichtigte kurz die Luftseilbahn, die von 421 m auf 1200 m führt und noch eine klassische Von Roll-Habegger Thun-Luftseilbahn ist. Bei schönem Wetter wäre ich sicher hochgefahren, aber nach dem ersten Mast verschwand die Bahn im Nebel. Es hatte in Åre noch eine alte Standseilbahn und eine Gondelumlaufbahn. Benützt werden diese Bahnen fast ausschliesslich von Mountainbikern, die dann mit einem unglaublichen Tempo unten wieder eintreffen und sich mit dem Schlauch abspritzen.

Die Weiterfahrt in Richtung Östersund und dann weiter nach Strömsund, Dorotea, Åsele und Lycksele war wie erwartet äusserst langweilig. Stundenlang fährt man durch Wälder, es ist alles praktisch flach, immer wieder sieht man links oder rechts ein Seelein. Bisweilen ist die Gegend so dünn besiedelt, dass so alle 10 km wieder ein paar Häuser auftauchen. So war natürlich auch der Verkehr ab Östersund sehr dünn. Die Strassen sind für 80 km/h, 90 km/h oder 100 km/h freigegeben, doch diese Geschwindigkeiten gelten offenbar eher als Richtwerte. Am Schluss „bretterte“ ich auch mit bis zu 120 km/h durch die Einsamkeit, da die Strassen stets sehr übersichtlich sind. Einzig die Federung meines Autos dürfte um ein paar Jahre gealtert haben.

In Östersund stand der Zug nach Trondheim und wartete auf seine Abfahrt am Abend.

Und so oder wenigstens ähnlich sah es während der ganzen Autofahrt bis Lycksele aus: Hauptstrasse, die durch bewaldetes Gebiet führt, und ein See, stellvertretend für die vielen Seen, die ich unterwegs sah.

Etwa um 17.30 hatte ich doch langsam Hunger und nahm das Mittagessen aus meiner Bordküche. Ich stellte mir vor, das gemütlich an einem Seeufer zu essen, musste mich aber umgehend wieder in mein Auto zurückbegeben. Eine ganze Menge Mücken wartete offenbar nur auf mich, und so war es eine Unmöglichkeit, ein Freiluftessen zu geniessen. Ich frage mich, wie ich noch die weiteren Tage in Lappland überstehen werde. In Norwegen ist die Mückenplage zum Glück kaum ein Thema.

Schliesslich erreichte ich Lycksele. Ich hatte mir vorgenommen, ab Lycksele nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, die ich spätestens bis Norsjö gefunden haben muss. Tatsächlich hat es in Lycksele zwei Hotels, und das erste gewährte mir Unterschlupf. Das Personal ist nahöstlich oder nordafrikanisch, aber das Zimmer macht einen sauberen Eindruck. Der Ort Lycksele bietet ausser einem Tierpark (Europas nördlichster!) kaum Attraktionen. Es ist mit 16 Grad für diese Gegend sehr warm.

Heute war ich 586 km unterwegs. Seit Reisebeginn sind es 5273 km.

Morgen geht es weiter nach Norsjö, wo es eine 13 km lange Seilbahn an einem Stück gibt. Diese überwindet keine Höhenmeter, dafür einen See.

Und das war die Route des 15. Reisetags: