31. Reisetag

Sonntag, 19. August 2012

Göteborg-Lübeck

Der Himmel war bedeckt, die Temperatur lag bei 16 Grad, als ich abfuhr. Anfänglich fuhr ich auf der E20-Autobahn, bis mir dies verleidete. Dann machte ich einen Landstrassenabstecher nach Ängelholm und dann der Küste entlang bis Helsingborg. Da das Land topfeben ist und die Strasse kaum wirklich ans Meer stösst, war es eigentlich gar kein Highlight. Schweden ist so etwas von langweilig, das sieht ja immer etwa gleich aus.

Nach Helsingborg war ich wieder E20-Fahrer bis nach Malmö. Der Wegweiser zum Aussichtspunkt auf die grosse Brücke über den Storebelt weckte mein Interesse, also folgte ich ihm. Die Brücke über den Storebelt ist aber derart lang, dass sie nahezu im Dunst verschwunden ist.

Der erste Fotohalt war die lange Brücke über den Grossen Belt zwischen Schweden und Dänemark. Auf der schwedischen Seite bei Malmö gibt es einen Aussichtspunkt, der einen Besuch wert ist.

Danach folgte die Fahrt über die Brücke nach Kopenhagen. Eine freundliche Kassiererin erleichterte mich um 43 Euro, dann hatte ich freie Fahrt mit 110 km/h.

Von der Stadt Kopenhagen bekommt man eigentlich nichts mit, wenn man die Autobahnumfahrung im Süden nimmt. Ich erhoffte mir jedoch den Blick auf schöne Strände, als ich danach nach Køge auf der normalen Strasse statt auf der Autobahn fuhr. Aber auch hier verläuft die Strasse zu weit vom Ufer weg. So wechselte ich zurück auf die Autobahn und fuhr direkt nach Rødby. Die angegebenen 155 km wollten und wollten nicht abnehmen, dafür nahm der Verkehr ab. Ich überholte ein Wohnmobil nach dem andern – Deutsche Heimkehrer und dänische und schwedische Urlauber.

In Rødby wurde ich um weitere 87.50 Euro ärmer, dafür durfte ich ziemlich weit vorne anstehen für die nächste Fähre nach Puttgarden. Die Fähre verkehrt alle 30 Minuten, die Überfahrt dauert rund 45 Minuten. Das Beladen geht sehr rassig, ebenso das Entladen. Manchmal wird noch ein Dieselzug der Strecke Hamburg-Kopenhagen mitgenommen.

Auf dem Sonnendeck war die Fahrt sehr angenehm. Seit etwa Ängelholm war auch in Schweden der Himmel praktisch wolkenfrei, die Temperatur stieg bis auf 31.5°C.

Die Fähre Rødby-Puttgarden fährt halbstündlich und bietet sehr viel Platz. Dennoch scheint es in der Hauptreisezeit zu längeren Wartezeiten zu kommen. Auf der Überfahrt von Dänemark nach Deutschland begegnet man alle 15 Minuten einem entgegenkommenden Kursschiff:

Einige Kilometer nach Puttgarden weist ein Wegweiser auf den Aussichtspunkt "Nordseeblick" hin. Na ja, von den norwegischen Aussichtspunkten war ich etwas anderes gewohnt...

Das Schlimmste kam aber noch. Die Strecke Puttgarden-Lübeck ist knapp 100 km lang. Anfänglich eine zwei- oder vierspurige Bundesstrasse, dann eine Autobahn mit partiellen Tempolimiten. Und eben, ich bin wieder in Deutschland! Es wird gedrängelt, hineingedrückt, es gibt Spinner, die machen Spurwechsel ohne Zeichengabe in eine 10-Meterlücke zwischen zwei Autos (und das bei 120 km/h). Schlichtweg, es ist einfach Scheisse (das einzige passende Wort, das mir einfällt), in Deutschland mit dem Auto zu fahren. Ich habe auf den vielen Kilometern in Dänemark, Schweden und Norwegen nicht halb so viele Spinner angetroffen wie auf den paar Kilometern hier in Deutschland. Ich habe in Skandinavien keinen Unfall gesehen, aber hier auf dem Weg nach Lübeck begann der Verkehr plötzlich zu stocken und von hinten nahte ein Konvoi von Ambulanzen. So wie die hier fahren, wundert mich das absolut nicht. Als ich den Stau sah, konnte ich noch gerade die Autobahn verlassen, landete dann aber überland im Stau. Schliesslich beorderte mich mein Navi zurück auf die Autobahn, und dann ging es nur noch meterweise. Solidarität unter den Gestauten gibt es nicht, manche versuchen durch permanentes Spurwechseln vorzudrängeln, und die frechsten schalten die Pannenlichter ein und rasen über den Pannenstreifen.

Als ich in der Nähe des Hotels in Lübeck einen freien Parkplatz sah, schnappte ich mir diesen gleich. Da das Seitwärtseinparkieren so halt seine Korrekturen benötigte, wurde ich von einem deutschen Autofahrer, der meinetwegen 10 Sekunden aufgehalten wurde, mit einem bitterbösen Blick belohnt. Das ist eben Deutschland, ich bin verwöhnt von der Freundlichkeit der Skandinavier.

Lübeck wäre eine wunderschöne Stadt, die ich nach dem feinen Nachtessen leider nur noch in der Dämmerung gesehen habe. Sicher mal eine Reise wert, aber nicht mit dem Auto.

Zu meiner grossen Freude sah ich mehrere Hybridbusse herumfahren, die von der Firma Hess in Bellach gebaut wurden.

Nun hat es kurz geregnet, offenbar so ein Wärmegewitter. Die Anzeige meines Autos meldete Temperaturen bis 35 Grad. Dank der Klimaanlage hatte ich es recht angenehm im Auto, dafür habe ich es beim Dieselverbraucht gemerkt. Die 4.5 bis 5 Liter pro 100 Kilometer sind im hiesigen Verkehr unmöglich zu erreichen.

Zum Abschluss die heutige Reiseroute: