14. Reisetag

Mittwoch, 13. August 2014

Cairndow - Kintyre - Oban

Gemäss Wetterbericht sollte es gegen Süden eher etwas besser werden, und in diese Richtung wollte ich ja auch. Ansonsten war es jetzt drei Tage am Stück verregnet, ich sehnte mich wieder einmal nach Sonne. Schon als ich wieder in Inveraray eintraf, grüssten mich die ersten Sonnenstrahlen. Ich sah dort auch Schloss Nr. 22 wieder.

Zunächst folgte ich der gleichen Strasse wie gestern, dann zweigte ich auf eine einspurige Nebenstrasse ab, welcher ich während rund 40 km folgte. Bei einspurigen Strassen muss immer viel mehr Fahrzeit eingerechnet werden.

Unmittelbar bei der Einmündung in die Hauptstrasse A816 steht das nächste Schloss, das Carnassarie Castle, allerdings auch nur noch eine Ruine.

Ab hier führte die Fahrt einstweilen ausschliesslich südwärts, da ich an das südliche Ende der sehr lang gestreckten Halbinsel Kintyre gelangen wollte. Die steilen Abhänge an der Kintyre-Südspitze werden mit "Mull of Kintyre" bezeichnet, sie erlangten besondere Bekanntheit durch das gleichnamige Lied von Paul McCartney und der Gruppe Wings. Der Ohrwurm aus dem Jahr 1977 mit den Dudelsackbläsern ist unvergesslich, und ich brachte den Song einfach nicht mehr aus meinen Ohren.

Die Halbinsel Kintyre verfügt über eine gut ausgebaute Hauptstrasse A83 und eine einspurige Nebenstrasse. Ich entschied mich für die Nebenstrasse im Hinweg und für die Hauptstrasse im Rückweg, ein absolut weiser Entscheid.

Gleich zu Beginn der am östlichen Ufer verlaufenden Einspurstrasse lohnt es sich, den Abstecher zum Skipness Castle zu machen.

So geht das Fahren auf einer Einspurstrasse! 10 Minuten 19 Sekunden Autofahrt auf der Halbinsel Kintyre:

Die Fahrt auf der Einspurstrasse war recht anstrengend, da eine Kurve auf die andere folgte mit entsprechend schlechter Übersichtlichkeit, und es ging ständig bergauf und bergab. Dafür wurde ich mit einer schönen Landschaft belohnt.

Ein rechtes Stück weiter südlich stiess ich auf Schloss Nr. 28, das Torrisdale Castle.

Ab Campbelltown, dem grössten Ort auf der Halbinsel Kintyre, folgte ich wieder einer einspurigen Strasse. Mit jedem Meter wurde diese Strasse mühsamer, da sie sehr holprig, enorm schmal und erst noch beidseitig mit Steinmauern eingefasst war. Zum Glück kam mir auf der Umrundung der Spitze der Insel nur ein einziges Auto entgegen, und das erst noch an einem unkritischen Ort. Ansonsten hätte es ernsthaft schwierig werden können.

Nachdem auch dieses Strässchen geschafft war, steigerte ich mich noch einmal. Ich folgte dem Wegweiser, der in 7 Meilen Distanz den Leuchtturm der Mull of Kintyre ankündigte und staunte, wie weit plötzlich so 10 km sein können. Auf der schmalen, kurvenreichen Strasse kamen mir einige Touristen entgegen, was teilweise zu eher komplizierten Ausweichmanövern führte. Mehrere Male waren Metalltore zu öffnen und zu schliessen. Aber schliesslich hatte ich es dann geschafft und stand am Ende der Strasse zur "Mull of Kintyre". Jetzt durfte Paul McCartney seinen Ohrwurm direkt ab meinem Laptop spielen.

Von der Mull of Kintyre aus sieht man Nordirland. Leider war das Wetter zur Zeit eher wechselhaft und enorm windig, so dass bloss Nordirlands Konturen ausgemacht werden konnten. Ansonsten ist die Mull of Kintyre nicht unbedingt der Ort, wo man unbedingt gewesen sein muss.

Und nun lassen wir auch hier Paul McCartney seine leidenschaftliche Hymne an die Mull of Kintyre singen!

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Auf dem Weg nordwärts entlang der langen Halbinsel zeigte sich noch ab und zu die Sonne. Es war jedoch nur sehr beschränkt möglich, auf der Hauptstrasse anzuhalten, so dass ich diese wunderbare Stimmung fotografisch kaum festhalten konnte. Ein paar Souvenirs sind dennoch zustande gekommen:

Von Campbelltown an der Südspitze von Kintyre bis zur Stadt Oban war eine Strecke von über 130 km zurück zu legen. Mit der Zeit bekam ich den Eindruck, mein Ziel wolle nie und nie näher kommen. Verkehr hatte es praktisch keinen, aber die sehr kurvenreiche Strasse liess keine Rennfahrt zu.

Bei Dunkelheit und strömendem Regen erreichte ich schliesslich Oban, wo es galt, das Hotel mit dem reservierten Zimmer ausfindig zu machen.

Für den nächsten Tag war eine Reise auf die Isle of Mull geplant. Als ich mich um die Fahrpläne für die Autofähre bemühte, erfuhr ich, dass die Hauptfähre wegen eines Defekts gerade nicht fährt. Meine Ferien neigten sich langsam dem Ende zu, womit auch der Abgabetermin meines Mietwagens näher kam. Wenn ich dann auf der Insel gefangen wäre, könnte es unmöglich werden, zum richtigen Zeitpunkt beim Flughafen Edinburgh einzutreffen. Meine Weiterreise konnte also nicht mehr heute geklärt werden.

Zum Abschluss die Reiseroute. Die Form der Halbinsel Kintyre ist auch den Einwohnern dort etwas peinlich.